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Wie erkennt man Antisemitismus? – Von der Banalität des Guten

Conservo

(www.conservo.wordpress.com)

Von Adrian F. Lauber *)

Es ist weniger als fünf Mal in meinem Leben vorgekommen, dass ich in der linken taz etwas gelesen habe, was mein Wohlwollen gefunden hätte. In diesen Tagen ist es aber – keinen hat das mehr überrascht als mich – wieder passiert. Natürlich konnten die Gesinnungsethiker auch in diesem Falle einen Seitenhieb gegen die ach so teuflische, aussätzige AfD nicht unterlassen, aber ansonsten trafen die Beobachtungen voll zu:

„Antisemitismus im Netz hat massiv zugenommen. Das Internet ist zum primären Multiplikator von Antisemitismus geworden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine am Mittwoch vorgestellte Langzeitstudie der Technischen Universität Berlin. Dabei wurden mittels eines eigens entwickelten Computerprogramms über 265.000 Online-Kommentare in Kommentarspalten von Qualitätsmedien, in sozialen Netzwerken, Ratgeberportalen sowie Foren detailliert untersucht. Zwischen 2007 und 2018 habe sich die Zahl antisemitischer Äußerungen in Kommentarspalten vervierfacht, fast kein Bereich des Netzes sei mehr frei von Judenfeindlichkeit. Die Zunahme geht laut Studie mit einer starken Tendenz der Radikalisierung bei den antisemitischen Äußerungen einher. Dies sei durch eine Verdopplung der Vergleiche Israels mit dem Nationalsozialismus, Gewaltfantasien und Entmenschlichung in den Kommentaren seit 2009 festzustellen. Das ‚Sagbarkeitsfeld für Antisemitismen‘ habe sich im Internet ‚exorbitant vergrößert‘, heißt es. Über alle Schichten hinweg würden zudem jahrhundertealte Stereotype wie die des ‚ewigen Juden‘ sowie der ‚jüdischen Rachsucht und Zerstörung‘ gepflegt. Klassischer Antisemitismus spiele also weiter eine zentrale Rolle.

Des Weiteren sei eine ‚Israelisierung der Semantik‘ festzustellen, wie die für die Studie verantwortliche Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel bei der Vorstellung sagte. Judenfeindliche Stereotype würden auf den israelischen Staat projiziert, Israel fungiere als ‚kollektiver Jude‘. Auf Juden bezogene Stereotype der Rachsucht, Gier, Unmenschlichkeit und Weltbeherrschung sowie die Ritualmordlegende, Teufels- und Pestmetaphern werden – auch im muslimischen Antisemitismus – oft auf Israel übertragen. Selbst bei untersuchten Texten, die nichts mit Israel zu tun hatten, beispielsweise zur Beschneidungsdebatte oder zu einer Rede des Präsidenten des Zentralrats der Juden zum Thema Migration, wurde oft israelbezogener Antisemitismus festgestellt. (…) Auch migrantischem Antisemitismus müsse ‚ganz energisch‘ entgegengesteuert werden. ‚Es sind auch Menschen nach Deutschland gekommen, die ein antisemitisch untermauertes Bild von Juden und Israel haben. Diese Feststellung bedeutet keine Nähe zur AfD‘, so Schwarz-Friesel. Zum Antisemitismus unter Linken stellten die Forscher fest, dass diese Form von Judenhass oft geleugnet und abgewehrt wird. Die Rede von einem Kritiktabu an Israel sei eine Schutzbehauptung. Es wurde in der Untersuchung kein einziger Fall in den Massenmedien gefunden, in dem Kritik an israelischer Politik mit Antisemitismus gleichgesetzt wurde.“ 1

Auch mir ist das schon aufgefallen. Und es sind keineswegs nur Mustafas oder Mohammeds oder Alis, sondern auch lupenreine Fritzens, Georgs und Willis, bei denen es mit dem Ariernachweis vermutlich keinerlei Probleme gegeben hätte, aus deren Kommentaren der Judenhass nur so trieft.

Freilich muss man unterscheiden:

I. Wenn er raus will, aber nicht raus darf

Es gibt verschiedene Formen des Antisemitismus. Der Judenhass ist viele Jahrhunderte alt, er führt ein zähes Leben und ist wandelbar.

Der klassische, primäre Antisemitismus ist die uns aus Führers Zeiten wohl bekannte Judenfeindschaft, verbunden mit der Wahnvorstellung von einer teuflischen jüdischen Weltverschwörung zur Unterjochung der Menschheit. Dieser Glaube ist modern, aber er ist vermengt mit uralten judenfeindlichen Stereotypen, die Europa seit dem Mittelalter prägen: mit dem Glauben an eine spezifisch jüdische Rachsucht („Auge um Auge, Zahn um Zahn“) und an Legenden wie jüdische Ritualmorde und Blutdurst zum Beispiel.

Dieser primäre Antisemitismus existiert noch, ist aber nachhaltig diskreditiert. Auschwitz wirkt hier als gewaltiger Hemmschuh für alle Judenhasser. Das Ressentiment will raus, aber da ist etwas blockiert. So wie man’s gerne rauslassen würde, geht es nicht, weil man sich zu offensichtlich in eine Traditionslinie mit Hitler und seinen geistigen Lehrmeistern stellen würde. Damit will sich natürlich keiner (bzw. kaum einer) identifizieren.

Zum Glück ist diese Form des Antisemitismus auf wenige Menschen beschränkt. Bei der NPD, der DVU, beim KKK, bei Blood and Honour und ähnlichen Organisationen wird man ihn finden, aber mit dieser Ideologie lässt sich heutzutage und auf absehbare Zeit keine Massengefolgschaft mehr mobilisieren. Das ist nur gut so.

Bekannte Nazi-Propaganda aus dem Jahr 1937

Allerdings ist der primäre Antisemitismus auch unter autochthonen Deutschen keineswegs verschwunden. In der Anonymität, hinter der sich viele im Internet verschanzen können, oder auch in Meinungsumfragen kommt er immer wieder durch.

In einer Studie des Institutes für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld meinten immerhin 15 Prozent der befragten Deutschen, dass „die“ Juden in Deutschland zu viel Einfluss hätten.2

Die Hemmschwelle, die autochthonen Antisemiten im Weg liegt, kennen die importierten Antisemiten indessen nicht. In der islamischen Welt ist der offen und auch gewalttätig ausgelebte Judenhass endemisch. Nicht von ungefähr ist seit den Vierziger Jahren das Judentum fast komplett aus den islamischen Ländern getilgt worden. Über 850.000 orientalische Juden (Mizrachim) sind aus diesen Ländern geflohen, größtenteils nach Israel, zu einem kleineren Teil in westliche Länder.3

„Mein Kampf“ und die „Protokolle der Weisen von Zion“ sind im Orient Verkaufsschlager. Der dortige Antisemitismus ist ein Gemisch aus im Islam selbst angelegter Judenfeindschaft und aus Europa importierten Wahnvorstellungen.

Die flüchtlingsbesoffenen Herolde der Merkel-Nomenklatura beklatschen den massenhaften Import von Judenhass, obwohl Experten wie Bassam Tibi in aller Deutlichkeit davor warnen, was da zu uns kommt, und obwohl seit Jahren bekannt ist oder bekannt sein könnte, dass Juden aus anderen sich islamisierenden Ländern wie Schweden und Frankreich fliehen, weil sie aufgrund von Hetze und Gewalt, die von radikalen Muslimen ausgehen, nicht mehr sicher sind.

Szene aus Berlin-Neukölln (t-online.de)

Das hoch moralische Deutschland will davon nichts wissen und offenbart damit die ganze Verlogenheit seines Gutmenschentums.

Tibi warnte uns bezeichnender Weise nicht in einer deutschen, sondern in einer Schweizer Zeitung:

„Die Feststellung eines muslimischen Antisemitismus ist kein Vorurteil, sondern das Ergebnis einer Forschung in 22 islamischen Ländern, die ich in den USA veröffentlicht habe. Auf dieser Basis kann ich bestätigen, was die Zeit vom 9. Februar 2017 feststellt: Es gebe einen Anlass, die «Gefahr zum Thema zu machen, die Hunderttausende arabische Flüchtlinge darstellen». Warum? «Weil sie durchweg aus Ländern stammen, in denen der Antisemitismus so selbstverständlich ist wie essen und trinken».“ 4

Der Mann stammt aus Syrien. Er war laut Selbstauskunft als junger Mann selbst ein Judenhasser. Er weiß, was den Menschen in Syrien und in den anderen Ländern der Region von Kindesbeinen an für Gedankengut eingeimpft wird. Und als lebenserfahrener Forscher weiß er inzwischen auch, dass der Israel-Palästina-Konflikt, der nur ein vergleichsweise winziges Territorium betrifft, nur vorgeschoben und keineswegs die Ursache des Hasses ist.

„Fakt ist, dass die islamischen Flüchtlinge aus Nahost den Antisemitismus mit sich aus ihrer Region bringen. Die Links-Grünen sind dreist genug, eine Entschuldigung für den islamistischen Antisemitismus zu bieten. Diese Entschuldigung lautet: Diese Muslime seien gar nicht gegen die Juden, sondern nur gegen den Staat Israel und gegen den «rassistischen Zionismus». Wenn das stimmen würde, wäre Theodor Herzl ein Rassist, was er aber niemals war. Die angebliche Differenzierung zwischen Antisemitismus und Antizionismus findet aber nicht statt. Aus meiner Forschung geht hervor, dass die Begriffe Jahudi/Jude und Sahyuni/Zionist von Arabern in der arabischen Sprache Synonym verwendet werden.“ 5

 

Bassam Tibi (Wikipedia)

Alle antisemitischen Morde in Europa seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurden von radikalen Muslimen begangen.6 Ende März wurde eine 85 Jahre alte Holocaust-Überlebende in Paris ermordet.

Ob der Mord an dem vierzehnjährigen Mädchen Susanna Feldmann in Deutschland aus einem antisemitischen Motiv heraus begangen wurde, ist eine Frage, die ich mir stelle, aber nicht beantworten kann. Sofern ihr Mörder wusste, dass sie Jüdin war, könnte das durchaus sein.

Wenn man bedenkt, dass es weniger als 200.000 Juden in Deutschland gibt, die also weniger als 0,25 Prozent der Population stellen, dann ist es schon unnormal, dass es im Jahr 2017 1.453 antisemitische Angriffe gab.7 Man könnte meinen, eine Menge Leute umtreibt das ganze Jahr über nichts anderes als diese verschwindend kleine Minorität!

Allerdings wäre es viel zu leicht und es wäre verlogen, das Wiederaufleben des Antisemitismus einseitig auf muslimische Zuwanderer zu schieben.

Nein, wir erleben heute etwas, das noch viel schlimmer ist: es kommt nicht nur die aktuell wohl radikalste und gewalttätigste Form von Judenhass zu uns, die sich in ständigen Übergriffen auf Juden niederschlägt.

Parallel blühen in der deutschen Gesellschaft sekundäre Formen von Antisemitismus auf.

In einer am 24. April 2017 veröffentlichten Studie stimmten inzwischen 40 Prozent (!) der befragten Deutschen zu, dass es aufgrund der Politik Israels verständlich sei, etwas gegen Juden zu haben.8

Weil es zumindest für autochthone Deutsche aufgrund der Hemmschwellen im Zusammenhang mit der NS-Vergangenheit nicht mehr so ohne Weiteres möglich ist, offen antisemitisch zu sein, wird das uralte, weiterlebende Ressentiment eben „umgeleitet“ und zwar auf den „kollektiven“ Juden in der Welt – und das ist der Staat Israel.

Sehr viel von dem, was man früher „den“ Juden unterstellt hat, wird nun unverändert diesem Land angelastet. Rachsucht, Blutdurst, Verschwörung zur Unterjochung der Welt, eine ganze Palette von grausigen Wahnvorstellungen steht zur Verfügung.

Und mit dem, was der böse Judenstaat angeblich so Teuflisches in der Welt anrichtet, wird dann wieder die Ablehnung gegen „die“ Juden gerechtfertigt.

Immerhin sind wir in Deutschland inzwischen sogar so weit, dass uns von einem Gericht bestätigt wurde, dass ein Brandanschlag auf eine Synagoge, wie er 2014 in Wuppertal verübt wurde, bloß etwas zu weit getriebene „Kritik“ an Israel ist.9 Falls also mal wieder jemand Lust auf eine Kristallnacht bekommt, weiß er in Zukunft, wie er sich rechtfertigen kann.

Eine weitere Form von sekundärem Antisemitismus ist der Schuldabwehr-Antisemitismus und er hat viel damit zu tun, dass sich eine große Zahl von Deutschen als völlig unfähig erwiesen hat, mit der NS-Vergangenheit rational und vernünftig umzugehen.

Schuldabwehr-Antisemitismus kommt dann zum Ausdruck, wenn völlig wahrheitswidrig behauptet wird, Israel sei so etwas wie das Dritte Reich des Nahen Ostens und mache mit den palästinensischen Arabern heute im Wesentlichen dasselbe wie die Nazis mit den Juden. Das ist, wie ich in meinen Artikeln zum Thema ausführlich belegt habe, vollkommener Schwachsinn, aber das hält die Menschen keineswegs davon ab, in großer Zahl daran zu glauben.

Agitation bei der Linkspartei

Die Ergebnisse von Meinungsumfragen schwanken, aber immerhin waren es so zwischen 20 und 40 Prozent der befragten Deutschen, die behaupteten, Israel mache mit den Palästinensern im Prinzip das Gleiche wie die Nazis mit den Juden.10 Zur Zeit der Zweiten Intifada waren es sogar über 60 Prozent, die behaupteten, Israel führe einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Palästinenser.11 (Blühender Unsinn)

Das ist Ausdruck eines bewussten oder unterbewussten Bedürfnisses nach Selbstentlastung. Wenn die früheren Opfer nun selber zu Tätern geworden sind, fühlt man sich plötzlich weniger schlecht. Man ist sozusagen quitt. Der „Schuldhaushalt“ ist ausgeglichen. Deswegen tut es so vielen Deutschen gut, sich einzureden, die Israelis – stellvertretend für „die“ Juden – seien die neuen Nazis. Um es mit Eike Geisel zu sagen: „Ohne böse Juden kein gutes deutsches Gewissen.“12

Parallel gibt in Umfragen jeweils mehr als die Hälfte der Befragten an, von den NS-Verbrechen nichts mehr hören zu wollen. Stattdessen möge endlich ein „Schlussstrich“ gezogen werden.13 Das ist zwar irgendwo verständlich, weil viele Deutsche – ich zähle mich dazu – sich wünschen, in diesem Land möge endlich so etwas wie Normalität einkehren. (Wobei bei mir persönlich die Hoffnung darauf inzwischen, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, verschwunden ist. Bismarck sagte einmal „Setzen wir Deutschland sozusagen in den Sattel, reiten wird es schon können.“ Jahre später nahm er das ausdrücklich – und traurig – zurück, indem er sagte: „Dieses Volk kann nicht reiten.“ Ne, das kann es wirklich nicht. Es fliegt vom Gaul und schlägt sich sämtliche Zähne aus der Fresse, unter Umständen bricht es sich auch das Genick. Heutzutage eine realistische Prognose.)

Aber in Kombination mit antisemitischen Ressentiments braut sich hier etwas Gefährliches zusammen.

Die NS-Zeit wird immer ein Teil der deutschen Geschichte sein. Man kann ihn nicht wegdrücken, nicht wegleugnen, nicht unter den Teppich kehren und auch nicht als „Vogelschiss“ in unserer Geschichte abtun. Man wird nie darum herum kommen, sich dem zu stellen, was damals war. Es kommt nur darauf an, was man mit diesem Wissen anfängt. Deutschland hat sich für Selbsthass und selbstzerstörerischen Wahn entschieden und damit unter Beweis gestellt, dass es mit dieser Vergangenheit nicht gesund umgehen kann.

Es müsste darauf ankommen, aus der Vergangenheit ganz praktische Lehren zu ziehen. Darauf, zu erforschen, wie der genozidale Vernichtungswahn entstehen konnte und wie es möglich war, ein System zu errichten, innerhalb dessen ein solches Vernichtungsprogramm dann – ohne dass sich groß Widerstand dagegen geregt hätte – ausgeführt werden konnte.

Das passiert aber nicht oder nur völlig unzureichend. Das symbolische Erinnern an die NS-Zeit dient deutschen Gesinnungsethikern nur noch dazu, sich gut zu fühlen, sich selbst eine überlegene Moral und ein besonderes Geschichtsbewusstsein einzureden. Symptomatisch für diese Selbstbeweihräucherung war die Äußerung des Historikers Eberhard Jäckel, es gäbe Völker, die uns um das Holocaust-Mahnmal in Berlin beneiden.14

(Kommt mal auf so einen Satz, ohne zuvor vier Kästen Krombacher leer getrunken zu haben! Ich geb’s ja zu, ich habe besoffen auch schon viel Unsinn geschwafelt, aber ich kann echt nicht mit dem mithalten, was Jäckel da nüchtern fertiggebracht hat.)

Wir tollen Deutschen erheben uns in unserem ach so großen Geschichtsbewusstsein zum Vorbild für andere. Wir wollen angehimmelt und bewundert werden für unser tüchtiges Lernen, für unsere überlegene Moral. (Wohl auch einer der Gründe oder der entscheidende Grund für die suizidale Immigrationspolitik!)

Indessen schauen wir seelenruhig zu, wie der Judenhass nach Deutschland zurückkommt, obwohl wir anhand von Beispielen wie Schweden und Frankreich schon vor Jahren hätten wissen müssen, was aus islamischer Masseneinwanderung folgen würde.15

Aber das interessiert ausgerechnet unsere links-grünen Gutmenschen nicht die Bohne. Sie wollen gut aussehen und nicht aus der Geschichte lernen.

Der leider viel zu früh – mit 52 Jahren – verstorbene Eike Geisel nannte die Erinnerung in Deutschland „die höchste Form des Vergessens“ und leider muss man heute feststellen, dass er mit diesem harten Urteil und seinen sehr pessimistischen, bissigen, gewiss zum Teil auch kritikwürdigen Traktaten Recht hatte.

Ein typisches Geisel-Zitat:

„Keine Gemeinde ist mehr ohne Judenreferent, jeder Sender hat seinen Vernichtungsexperten – die Nazis hätten sich die Finger nach so viel Fachleuten geleckt. Durch deren vereinigte Anstrengung gibt es zwar in der Bundesrepublik nicht weniger Antisemiten, nur weniger Arbeitslose (…)“ 16

Henryk Broder äußerte ganz Ähnliches, als er vom „deutschen Erinnerungswahn“ und sogar von einer „krankhaften Liebe zu toten Juden“ sprach.

Das entscheidende Wort hier ist „tot.“ Von toten Juden können wir gar nicht genug bekommen. Die sind praktisch und stören niemanden. Über sie Krokodilstränen zu vergießen, lässt uns immer wieder moralisch und geschichtsbewusst aussehen.

Indessen können wir fröhlich weiter Judenhass importieren und fette Geschäfte mit dem Gottesstaat Iran machen, zu dessen Staatsdoktrin Holocaust-Leugnung gehört und der den einzigen jüdischen Staat der Welt auslöschen will.

Ein anderes Zitat aus Eike Geisels Feder:

„Die innige Verbindung, die Ehrbarkeit und Ressentiment in der besonderen Empörung über Israels Politik längst eingegangen sind, demonstrierte Norman Paech, ein Hochschullehrer aus Hamburg. Er lehrt Öffentliches Recht, Staats- und Völkerrecht und gelegentlich andere Menschen das Fürchten, indem er Hamburger Lehrern die rechtsradikale Propaganda von der Schuld der Juden am Antisemitismus in leicht entschärfter Form empfiehlt: für ihn sind Juden am Haß auf sie nur mitschuldig. Die Grünen waren vor einem Jahr noch etwas bescheidener, für sie trug Israel die Mitschuld daran, daß es mit irakischen Raketen beschossen wurde.“

 In der »Hamburger Lehrerzeitung« teilte Professor Paech seinen Kollegen in der GEW mit: »Israel muß sich allerdings in der Tat fragen, ob seine Palästina-Politik nicht einem latenten Antisemitismus in Deutschland Nahrung gibt ? und dem können wir nicht entgegensteuern, indem wir schweigen.« Die Frage erübrigt sich: Schweigen worüber? Die demagogische Figur dieser Wendung hat Tradition. Es handelt sich bei ihr um eine besonders beliebte Formel antisemitischer Agitation, um die Formel vom »provozierten Antisemitismus«. Wer sich über historische Beispiele dieser Anschuldigung informieren möchte, sollte gelegentlich mal wieder in ein Buch schauen, das für kurze Zeit zur intellektuellen Grundausstattung der Linken gehört hat, in die von Adorno und anderen vorgelegte Studie über die autoritäre Persönlichkeit. Im Kapitel über Themen und Techniken des amerikanischen Agitators sind all jene Äußerungen versammelt, die sich trotz ihres historischen Alters nachgerade jugendfrisch ausnehmen. Und wie quicklebendig diese alte Formel von der Mitschuld der Juden an ihrer Verfolgung ist, zeigt die im Brustton pädagogischer Verantwortung für Israel vorgetragene Ermahnung von Norman Paech. Nicht vom Antisemitismus will er reden, sondern von dessen Zulieferern in Israel. Der Anwalt der Menschenrechte, als der er sich versteht, präsentiert sich gerade dadurch als ein Gegner des Judenhasses, daß er die Juden beschwört, die Anlässe dazu aus der Welt zu schaffen.“ 17

Geisel bespricht hier ein zentrales Problem in der Debatte.

Es geht allerdings nicht nur um vor Ressentiment nur so triefende Unterstellung, „die“ Juden seien doch selber schuld am Antisemitismus (in letzter Konsequenz vermutlich auch an Auschwitz). Warum das Unsinn ist, darauf komme ich noch.

Es geht hier auch um ein Thema, das die Deutschen wie kaum ein anderes zum umtreiben scheint: die vermeintlich verbotene Kritik an Israel.

II. Die eingebildete Judenknute

Meinungsumfragen belegen seit Jahrzehnten, dass Israel für die Deutschen zu den unbeliebtesten Staaten gehört. Wenige Länder werden im selben Ausmaß von Deutschen abgelehnt und verachtet. Nichts scheint sie mehr zu beschäftigen, obwohl die muslimischen Opferzahlen des Israel-Palästina-Konflikts zwischen 1948 und 2007 gerade mal 0,06 Prozent der muslimischen Opfer von Kriegen und politischer Gewalt in den genannten Jahrzehnten ausmachen. Etwa 35.000 Araber wurden in diesem Zeitraum von Israelis vor allem in Verteidigungskriegen und bei der Terrorabwehr getötet.18 Allein in Syrien sind in nur sieben Jahren über 500.000 Menschen getötet worden, was kaum einen Hund hinterm Ofen hervorlockt.

Vermutlich sind es sogar dieselben Leute, die Tag und Nacht Israel im Kopf haben und sich darüber die Mäuler zerreißen, die die Auffassung vertreten, dass es nicht möglich sei, Israel zu kritisieren.

Das stimmt schlichtweg nicht.

Um das herauszufinden, muss man sich allerdings Zeit nehmen. Wenn ich die Behauptung einfach in den Raum stelle, kann man mir glauben oder auch nicht. Wirklich feststellen kann man es aber nur, wenn man sich einfach mal quer durch die Bank die Israel-Berichterstattung führender deutscher Medien zu Gemüte führt.

Gerd Buurmann hat anschauliche Beispiele auf seinem Blog zusammen getragen.19 Darüber hinaus gibt es umfassende, wissenschaftliche Studien mit vielen konkreten Beispielen, die zeigen, dass deutsche Medien keineswegs sonderlich pro-israelisch sind.20 Das gilt nur für einen Teil von ihnen. Es gibt solche wie die „Welt“, denen ich eine größtenteils pro-israelische Haltung bescheinigen würde, aber auf der anderen Seite eben auch die „Süddeutsche Zeitung“, die immer wieder mit grob die Wirklichkeit verzerrenden Ausfällen gegen Israel auf sich aufmerksam macht21, ebenso gibt es den „Spiegel“, dessen Gründer Rudolf Augstein für Israel nicht viel mehr als Verachtung übrig hatte22, woran sein juristischer Sohn Jakob Augstein heute gebührend anknüpft.23 Im „Spiegel“ wird Israel immer wieder als Aggressor hingestellt, der Friedensunwille und der eliminatorische Judenhass seiner Gegner werden dagegen weitgehend ausgeblendet. Auch die vom „Spiegel“ im Laufe der Jahrzehnte veröffentlichten Titelbilder sprechen eine deutliche Sprache – deutlicher, als Worte es vermögen:

(Fundstelle: Lizas Welt, siehe auch: Spiegel Online)

Die „Welt“ berichtete am 23.7.2014:

„Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, Professor an der Freien Universität Berlin, hat über sechs Tage lang 170 Nachrichtenüberschriften deutscher Medien analysiert und stellte dabei eine „systematische Asymmetrie in der Darstellung der Akteure“ zu Ungunsten der israelischen Seite fest. „Dass die Gewalt nicht mit israelischen Militäraktionen begonnen hat, sondern durch den jahrelangen Raketenbeschuss der Hamas auf israelische Zivilisten, wird zu selten erwähnt“, meint Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Committee (AJC) Berlin. Ohne die Nennung dieser wichtigen Tatsache fände häufig eine Verdrehung von Ursache und Wirkung statt. „Dem Leser, Hörer oder Zuschauer wird so suggeriert, dass Israel und Hamas an der Eskalation des Konfliktes gleichermaßen schuldig seien“, erläutert Berger.

Über das massive Ausmaß antisemitischer Hasspropaganda, die im Gazastreifen selbst und im gesamten arabischen Raum von offiziellen Medien über Satelliten auch in Europa verbreitet wird, werde in Deutschland, „wenn überhaupt, nur sehr selten berichtet“, so Berger weiter zur „Welt“. „Auf diesem Boden wächst ein immer stärker werdender Antisemitismus in der arabischen Welt, aber über Satellitenübertragung und das Internet auch in Deutschland.““ 24

Die Linguistin Monika Schwarz-Friesel von der Technischen Universität Berlin kommt zu ähnlichen Schlüssen:

(…) die deutschen Medien kritisieren kaum ein Land so oft wie Israel. Wir haben die Berichterstattung über den Nahen Osten mit Artikeln über die Lage der Menschenrechte und Konflikte in anderen Ländern verglichen, wie Russland, China, Saudi-Arabien und Nordkorea. Kaum eines der Länder schnitt so schlecht ab. In den Artikeln finden sich ungewöhnlich viele NS-Vergleiche, es gibt ein sehr negatives Bild des Landes.“

Ihr Interview-Partner resümierte: „Sie haben 2012 während des Gaza-Konflikts 400 Schlagzeilen aus Onlinemedien analysiert. Ergebnis: In drei Viertel der Überschriften wurde Israel als der aggressive Part dargestellt. War das nicht zu erwarten, weil Israel den Palästinensern militärisch weit überlegen ist?“

Schwarz-Friesel antwortete: Oft liegt hier eine Realitätsverdrehung vor. In der Schlagzeile ist Israel fast immer Aggressor, im Text selbst steht dann, dass Israel nur reagiert hat. Ein Beispiel: Vor einer Woche einigten sich die Parteien im Gaza-Krieg auf eine Feuerpause, die Hamas schoss nach einigen Stunden trotzdem Raketen ab. 80 Prozent der Schlagzeilen auf Nachrichtenseiten lauteten aber: Israel bricht Waffenruhe.“ 25

Monika Schwarz-Friesel (MENA Watch)

Abgesehen davon, dass Kritik an Israel nicht verboten ist, hat es niemals so etwas wie eine uneingeschränkt solidarische Politik Deutschlands gegenüber Israel gegeben. Im Falle der DDR sowieso nicht, denn die war – brav dem Großen Bruder aus Moskau folgend – stramm auf antiisraelischem Kurs und unterstützte den Kampf gegen den jüdischen Staat.26 (Apropos Moskau: Die Sowjetunion förderte übrigens auch ganz massiv den modernen Antisemitismus in der islamischen Welt.27)

Die BRD hat sich durchaus, auch aus Gründen der Historie, in hohem Maße für Israel eingesetzt, aber nie in einem Ausmaß, dass von Willenlosigkeit die Rede sein könnte.28 Und wenn es wirklich hart auf hart kam, hat Deutschland sich dezent zurückgehalten. Als Israels nackte Existenz im Jom-Kippur-Krieg von 1973 am seidenen Faden hing, dachte die Bundesregierung gar nicht daran, zum Schutz der vermeintlich Verbündeten einzugreifen. Waffenlieferungen über deutsche Häfen an Israel wurden untersagt. Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) beließ es bei der Versicherung, eine „Neutralität des Herzens“ könne es nicht geben. Und ich gehe jede Wette ein: wenn Israel – Gott bewahre – heute vom Iran und seinen Terror-Schützlingen überfallen würde, würde Deutschland wieder stillhalten. Das Auswärtige Amt würde vielleicht eine Mahnung an Jerusalem senden, nur ja die Verhältnismäßigkeit zu wahren!

Brandt hatte auch nichts unternommen, als ihn Israels Premierministerin Golda Meir um Vermittlung ersucht hatte, um den Jom-Kippur-Krieg zu vermeiden.29

In den Neunziger Jahren lieferte das angeblich dem Judenstaat völlig willenlos ausgelieferte Deutschland munter Panzer an Saudi-Arabien – trotz israelischen Protests. Heute macht es lukrative Geschäfte mit Israels Todfeind Iran. Und es importiert massenhaft Israel- und Judenhass.

Ich behaupte, dass die Einbildung, dass Kritik an Israel verboten und dass Deutschland dem jüdischen Staat gegenüber willenlos unterwürfig sei, nichts anderes ist als eine Ausdrucksform von bewusstem oder unterbewusstem Antisemitismus. Was hier durchscheint, ist doch nichts anderes als der Glaube daran, dass „die“ Juden die Welt beherrschen und uns alle manipulieren – uns Deutsche auf jeden Fall, denn uns können sie mit dem schlechten Gewissen jederzeit erpressen.

Das ist auch so eine Sache: der Glaube an den Missbrauch der Geschichte, den man „den“ Juden unterstellt.

Besondere Popularität erlangte der amerikanische Autor Norman Finkelstein in Deutschland mit seinem Buch „Die Holocaust-Industrie.“

Der Mann, der sich selbst als Tabubrecher in Szene gesetzt hatte, hatte in Wahrheit nur Dinge ausgesprochen, die andere vor ihm auch schon thematisiert hatten und über die zu reden völlig legitim ist.30

(Allerdings muss ich hinzufügen, dass Finkelstein inzwischen mit Recht diskreditiert ist. Einer, der sich offen als Sympathisant der schiitischen, vom Iran mit aufgebauten Terrororganisation Hisbollah outet (deren Ziel Israels Vernichtung ist) und mit frei erfundenen Behauptungen oder verzerrten und aus dem Zusammenhang gerissenen Informationen um sich wirft, um seine Hetze gegen den Judenstaat zu untermauern, braucht sich nicht darüber zu wundern, dass er von vielen nicht mehr als Wissenschaftler, sondern als Demagoge angesehen wird.31 So auch von mir.)

Auch der Historiker Raul Hilberg, bekannt durch sein Standardwerk zum Holocaust („Die Vernichtung der europäischen Juden“) und des Antisemitismus ganz sicher unverdächtig, hat verschiedene Organisationen beschuldigt, auf pietätlose Weise mit der NS-Vergangenheit Geschäfte zu machen.32 Der frühere israelische Außenminister Abba Eban prägte das Wort „There is no business like Shoah business.“33

Darüber zu reden, ist legitim. Auch ich glaube, einiges von der Erinnerungskultur besteht nur aus unnötigem Kitsch, mit dem manche Leute Geld verdienen, der aber sonst wenig bis nichts bringt.

Wie viele Bücher zum Thema NS-Zeit gibt es inzwischen? Wie viele Hitler-Biographien? Kann das überhaupt noch jemand zählen? Und wie viele von diesen unzähligen Schriften haben wirklich neue Erkenntnisse enthalten? Wie viele Lehrstühle zum Beispiel in den USA sind mit Leuten besetzt, die bestenfalls nur oberflächlich Ahnung vom Thema haben?

Ich stimme zu, viel davon ist Geldschneiderei.

Und es ist absolut verlogen. Während man vom Holocaust-Gedenken gar nicht genug kriegen kann, schaut man dem Wiederaufleben des Antisemitismus hier und heute tatenlos zu.

Apropos Holocaust: Was man auch Finkelstein als so mutigen Vorstoß anrechnet, ist es, die absolute Singularität und Unvergleichbarkeit des Holocaust in Frage gestellt zu haben. Tatsache ist, dass andere das vor ihm schon getan haben, darunter der amerikanische Historiker Peter Novick („Nach dem Holocaust“).34 Allerdings hat Novick erst im Zuge der Finkelstein-Debatte mehr Beachtung auch in Deutschland gefunden.

Auch die Diskussion darüber ist völlig legitim.

Ich bin selber nicht so sicher, zu welcher Antwort ich da komme. Es gibt Dinge, die den Holocaust einzigartig machen, es gibt aber unbestritten auch andere Fälle von Genozid.

Es gibt aber auch Thesen von Novick, denen ich nun gar nichts abgewinnen kann. Aber das ist nur meine Meinung. Jeder kann ihn so beurteilen, wie er will.

Das alles sind keine Tabus.

Das Problem ist nicht, über Verlogenheit der Erinnerungskultur zu diskutieren. Das Problem ist es auch nicht, zu fragen, ob es pietätlose Geschäftemacherei mit der Vergangenheit gibt. Das Problem ist auch nicht, zu diskutieren, ob der Holocaust singulär war oder ob andere Fälle von Genozid nicht damit vergleichbar sind.

Das Probleme ist vielmehr, dass wahrheitswidrig suggeriert wird, „die“ Juden hielten uns mit der NS-Zeit unter ihrer Knute und würden Kritik an ihnen und an Israel damit tabuisieren. Das ist schlicht und einfach nicht zutreffend, wie man an den Inhalten großer Zeitung hier in Deutschland, aber auch in den USA, in Großbritannien und anderen Ländern ablesen kann.

Apropos: Ich glaube, jetzt bin ich bei einem entscheidenden, vielleicht sogar dem entscheidenden Merkmal des Antisemitismus angekommen:

III. Den Juden gibt’s nur als Kollektiv

Ich habe schon das Missvergnügen gehabt, mich ausführlich mit Antisemiten zu unterhalten (in letzter Zeit kam ich mir manchmal vor, als wäre ich bei der Sitzung eines NPD-Ortsverbands gelandet), und was mir dabei ein hervorstechendes Merkmal ihrer Weltanschauung zu sein schien, ist, dass es Juden in ihrer Wahrnehmung nur als Kollektiv gibt.

Mal wird es ganz deutlich gesagt, mal kann man es zwischen den Zeilen herauslesen.

Juden werden als Individuen überhaupt nicht zur Kenntnis genommen. Es gibt immer nur „die“ Juden, die alle miteinander in Haftung genommen werden für das, was konkret zu benennende Personen getan oder angeblich getan haben.

Das ist denn auch ein entscheidendes Problem bei der Debatte um die Kritik an Israel.

Es ist durchaus zutreffend, dass es Personen gibt, die auf Kritik an Israel schnell hysterisch und unfair reagieren und voreilig mit einem Antisemitismus-Vorwurf bei der Hand sind. Das gibt es. Aber sollte man dann nicht die konkreten Personen für dieses Verhalten kritisieren? Und nicht „die“ Juden?

Denn dass „die“ Juden so wären, trifft ganz sicher nicht zu, wenn man bedenkt, wie zum Beispiel in Israel selbst israelische Politik kontrovers und zum Teil heftig diskutiert wird. Und dass Israel-Kritik keineswegs verboten oder tabuisiert ist, hatten wir schon. (Siehe oben)

Ähnlich ist es mit dem nicht tot zu kriegenden Glauben an die jüdische Weltverschwörung.

Ja, es gibt in den USA und anderen Ländern reiche und einflussreiche Persönlichkeiten, die Juden sind. Ja, es gibt pro-jüdische und pro-israelische Lobby-Organisationen. Wie andere Menschen auch haben diese Leute Interessen und sie setzen ihre Mittel ein, um ihre Interessen zu vertreten und sie – nach Möglichkeit – durchzusetzen.

Was ist denn daran jetzt das Außergewöhnliche? Auch andere ethnische Gruppen und andere Staaten haben Lobbys. Siehe allein die mächtigen arabischen Öl-Lobbys in den Vereinigten Staaten. Siehe auch die vielen pro-palästinensischen Gruppen.

Der Antisemit geht automatisch davon aus, dass „die“ Juden immer zusammenhängen, dass sie einen monolithischen Block darstellen, der zusammenhält und sich natürlich gegen den Rest der Welt verschworen hat.

Dass Juden Individuen mit unterschiedlichen Meinungen, Lebensentwürfen, politischen Anschauungen und Zielen sind, kommt in seiner Wahrnehmung nicht vor.

Ja, es gibt pro-israelische Lobbys in Amerika, aber die vertreten keineswegs alle einen einheitlichen Kurs.35 Zum Teil sind sie untereinander zerstritten. Darüber hinaus zeigen Umfragen der Gallup Organization und des Pew Research Center, dass einer Mehrheit der amerikanischen Juden sowohl die jüdische Religion als auch der Staat Israel herzlich gleichgültig ist, weil sie weder jemals dort waren noch irgendeinen anderen persönlichen Bezug dazu haben.36 Man kann unter einem Teil der amerikanischen Juden sogar eine regelrechte Feindseligkeit gegen Israel beobachten.37

In Deutschland gibt es jüdische Personen, deren Anschauungen und Wirken ich kritisiere. Ich kritisiere Charlotte Knoblochs Anbiedern an Angela Merkel und ihre Verteufelung der AfD – u. a. deshalb, weil es mir schleierhaft ist, wie eine Jüdin den Kurs des massenhaften Imports von Judenhass beklatschen kann.38 Wen vertritt diese Frau, immerhin die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern, eigentlich?!

Aber die bisher schärfste Kritik an Charlotte Knoblochs Verhalten und am Verhalten anderer, sich dem Establishment anbiedernder jüdischer Repräsentanten, die ich bisher gelesen habe, stammt von Rafael Korenzecher, seines Zeichens ebenfalls Jude und Herausgeber der Jüdischen Rundschau.

Soll ich jetzt Herrn Korenzecher für Frau Knoblochs Verhalten in Mithaftung nehmen, nur weil er zufällig auch jüdisch ist?

Der Antisemit aber sieht, wenn er Personen vom Schlage Knobloch Merkel lobhudeln hört, sofort ein jüdisches Komplott zur Destabilisierung oder Zerstörung Deutschlands. Derartige Kommentare habe ich im Internet des öfteren gesehen: „die Juden wollen es [die Zerstörung Deutschlands] so“, „die Zions-Medien manipulieren uns doch alle“ und Ähnliches.

Ein ganz konkretes und ziemlich ekelhaftes Beispiel für antisemitische Argumentation habe ich selbst vor kurzem erlebt. Wie gesagt: ich hatte schon das zweifelhafte Vergnügen, mich mit Antisemiten zu unterhalten, und in einem solchen Gespräch habe ich – völlig sinnlos natürlich, aber ich wollte es wenigstens versucht haben – Israel gegen Verleumdungen verteidigt.

Daraufhin wollte mein Gesprächspartner allen Ernstes von mir wissen, ob ich etwa jüdische Vorfahren und deswegen eine so andere Einstellung hätte. (Übrigens war mein Gesprächspartner, ehe hier Missverständnisse aufkommen, keineswegs ein muslimischer Immigrant, sondern ein nicht-muslimischer Einheimischer!)

Man muss sich mal überlegen, was für eine entmündigende, freiheitsfeindliche und auch rassistische Denke aus solch einer Frage spricht! Da wird mir praktisch abgesprochen, dass ich mir eine legitime andere Meinung in Bezug auf Israel und Juden bilden kann. Stattdessen wird unterstellt, wenn ich jüdische Vorfahren hätte, würden jüdische Gene praktisch meine Meinungsbildung „steuern“ und sie automatisch pro-israelisch machen.

Übrigens habe ich nicht vor, an dieser Stelle zu enthüllen, ob ich jüdische Vorfahren habe oder nicht. Man soll nicht meine Abstammung beurteilen, sondern meine Argumente prüfen, wenn ich bitten darf. Wenn jemanden meine Vorfahren etwas angehen, werde ich es ihn oder sie schon wissen lassen.

Jedenfalls hat die Frage nach meinen Vorfahren bestätigt, was mein Eindruck ist: für den Antisemiten gibt es nur das jüdische Kollektiv und wenn einer dazu gehört, dann hat automatisch ganz bestimmte und natürlich furchtbar böse, diabolische Einstellungen und verschwört sich mit seinen Artgenossen, um die Guten, den ganzen Rest der Menschheit, zu unterwerfen.

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen:

Es ist nicht antisemitisch, Israel zu kritisieren.

Es ist auch nicht antisemitisch, Juden zu kritisieren.

Es ist auch nicht antisemitisch, pro-israelische Lobbys zu kritisieren.

Aus dem, was Juden angetan wurde, folgt nicht, dass an Juden heute – weder im Guten noch im Bösen – irgendwelche Sondermaßstäbe angelegt werden sollten. Dasselbe, was man an jedem Menschen kritisieren würde, darf man auch an jüdischen Menschen kritisieren.

Aber ein wichtiges Merkmal, mit dem man Kritik von Antisemitismus unterscheiden kann, ist eben die paranoide Vorstellung, dass „die“ Juden ein böses, verschworenes Kollektiv darstellen. Wer partout Juden nicht als Individuen gelten lässt und keine individuelle Verantwortung für ihr Handeln anerkennt, der ist ein Antisemit.

Ein weiteres Merkmal hat Henryk Broder gut auf den Punkt gebracht: „Wer Juden etwas übel nimmt, das er Nichtjuden nicht übelnimmt, ist ein Antisemit. (…) Wer sich also über „jüdische Spekulanten“ aufregt, am Treiben nicht jüdischer Spekulanten aber keinen Anstoß nimmt, ist einer.“39

Zum Punkt der Kritik gibt es allerdings noch etwas zu sagen:

  1. Kritik und Verleumdung

Eigentlich ist es eine Binsenweisheit, aber gerade Gemeinplätze werden ja immer wieder gern übersehen, weil man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Kritik richtet sich gegen das reale Verhalten einer Person oder Personengruppe. Und Kritik muss sich jeder gefallen lassen. Ebenso darf und soll jede Weltanschauung, jede Religion, jede Ideologie kritisiert werden.

Etwas ganz anderes ist es jedoch, einem Menschen oder einer Menschengruppe Dinge zu unterstellen, die gar nicht wahr sind. Normaler Weise nennen wir das „Verleumdung.“

Im Falle des jüdischen Staates scheint dieser wesentliche Unterschied für viele nicht zu gelten.

Wenn einer wie Ken Jebsen Israel unterstellt, die Palästinenser „auszurotten“ und in vielerlei Hinsicht das neue Dritte Reich zu sein, und dafür Schelte kassiert, wird das von ihm und seinen Jüngern als vermeintlicher Beweis dafür gewertet, dass Kritik an Israel eben doch verboten sei. Dass man nicht beim Namen nennen dürfe, was im Nahen Osten passiert.

Aber wer Unwahrheiten verbreitet und sich dann als „Verfolgter“ oder „Unterdrückter“ inszeniert, wenn er dafür Ärger bekommt, ist kein couragierter Kritiker, sondern ein Scharlatan. Aber viele fallen darauf rein.

Jebsens Tiraden in seinem Propagandavideo „Zionistischer Rassismus“ aus dem Jahr 2012 bestehen nun einmal zum größten Teil aus frei erfundenen Behauptungen, falschen oder aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten und sekundärem, teilweise auch primärem Antisemitismus.40

Eine beispielhafte Behauptung aus Jebsens Video: „Das grausame Schicksal der Überlebenden der europäischen Juden hat die Nachfahren stumpf gemacht gegenüber dem Leid anderer Menschen. Ihr Grausamkeitslevel verläuft auf einer vom Holocaust gefrästen Vernichtungskurve. Diese ist und war in all ihren Aspekten pervers und taugt nicht als Orientierung für eine humanere Welt. Wenn man heute an jedem Punkt Palästinas, an dem ein palästinensischer Zivilist durch einen israelischen Besatzungssoldat umgekommen ist, einen solchen Stolperstein einschlagen würde, wäre der Boden Palästinas aus dem Orbit zu erkennen. Er würde flächendeckend messingfarben Unrecht reflektieren“

In Europa wurden von Deutschen und ihren Kollaborateuren zwischen fünf und sechs Millionen Juden umgebracht. Das Endziel war es, alle Juden auszurotten. Wenn die Nazis den Krieg nicht verloren hätten, wäre es ihnen zumindest in Europa vermutlich auch gelungen.

In den Jahrzehnten zwischen 1948 und 2007 wurden ca. 35.000 Araber von den Israelis vor allem in Verteidigungskriegen und bei der Terrorabwehr getötet. Und es gab und gibt keinen Plan, die palästinensischen Araber „auszurotten.“

Wenn selbst der normaler Weise gegen Israel feindselig eingestellte „Freitag“ eine ausführliche Kritik an Jebsens Tiraden veröffentlicht, will das schon etwas heißen.41

Nichts von Jebens Behauptungen hält einer Überprüfung stand. Ähnlich ist es bei Christoph Hörstel, einem bekennenden Fan des iranischen Mullah-Regimes, der am Al-Quds-Tag in Berlin Dinge behauptet wie, dass Israel pro getötetem Israeli einhundert Palästinenser umbringen wolle, also einem von natürlich typisch jüdischer Rachsucht diktierten Mordplan folge. Aber wenigstens ist Hörstel so ehrlich, dass er ganz offen sagt, dass Israel aus seiner Sicht kein Recht hat, überhaupt zu existieren.

Ihre Behauptungen sind falsch. Ich habe es mit Verweisen auf das geltende Kriegsvölkerrecht ausführlich beschrieben, dass die Israel Defense Forces in ihrem Abwehrkampf gegen Dschihadisten wie die Hisbollah und die Hamas – verglichen mit anderen Armeen – relativ zurückhaltend vorgegangen sind und erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um Zivilisten vor bevorstehenden Angriffen zu warnen.42

Das ändert nichts daran, dass es seitens des israelischen Militärs auch Entscheidungen gegeben hat, die zu kritisieren sind, beispielsweise den Einsatz von Streubomben im Libanon-Krieg von 2006 oder von Rauchbomben mit weißem Phosphor in Gaza 2008/09. Das verstößt, soweit ich findig werden konnte, zwar nicht gegen geltendes Kriegsvölkerrecht, aber ich halte solche Waffen für zu gefährlich für Außenstehende und lehne es ab, dass solche eingesetzt werden.

Aber es gab nie eine Politik der „Ausrottung.“ Die palästinensischen Araber zählen zu den am schnellsten wachsenden Populationen der Welt (heute ist diese Population ungefähr acht Mal so groß wie 1948, im Jahr von Israels Gründung) und dank Hilfe aus Israel und anderen Ländern genießen sie einen höheren Lebensstandard als viele andere Araber. Allein bis zum Jahr 2002 bekamen die Palästinenser pro Kopf aus dem Ausland das Vierfache dessen, was die Westeuropäer nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Marshallplans an Wiederaufbauhilfe bekommen hatten. Ihre Versorgung mit Nahrung und Wasser ist gewährleistet, auch die der Menschen in Gaza, wo die antisemitische Terrororganisation Hamas herrscht und seit Jahr und Tag Raketen und Granaten auf Israel abfeuert. In ihrer Charta proklamiert sie in aller Offenheit die Zerstörung Israels und die Ermordung aller Juden.43

Es gibt keine Apartheid in Israel, sondern ein Land, dessen Bevölkerung zu über 20 Prozent nicht-jüdisch ist. Diese nicht-jüdischen Bürger, vor allem muslimische und christliche Araber sowie Drusen, haben aber ebenfalls volle Bürgerrechte mit allem, was dazu gehört. Sie sind auch im Parlament vertreten. In Meinungsumfragen geben absolute Mehrheiten von ihnen an, in keinem anderen Land lieber leben zu wollen.44 Komisch, wenn sie da so gepeinigt werden, aber wer weiß? Vielleicht sind die Araber ja heimliche SM-Freaks.

Die Errichtung eines eigenen Staates wurde der palästinensischen Führung mehrfach angeboten. Solche Angebote wurden in den Jahren 2000, 2008 und 2014 ausgeschlagen und zum Scheitern gebracht.45 Selbst die vermeintlich „moderate“ Palästinensische Autonomiebehörde unter Präsident Mahmud Abbas hetzt seit Jahr und Tag gegen die Juden46 und belohnt Attentäter mit „Märtyrerrenten.“47 Abbas selbst hat mit deutlichen Worten zu verstehen gegeben, dass die bloße Existenz Israels für ihn nicht legitim ist. Er bezeichnet Israel als „Kolonialprojekt“ und bestreitet jeglichen Bezug der Juden zu diesem Land.48 Konsequenter Weise hat er es stets abgelehnt, Israel als Nationalstaat des jüdischen Volkes anzuerkennen.49

Solche Dinge sollte man wissen.

Ebenso wäre es besser, den allgegenwärtigen, mörderischen Judenhass in der Region zur Kenntnis zu nehmen. Dann würde man vielleicht auch verstehen, warum Israel es nötig hat, seine Grenzen mit Zäunen abzusichern. Das sind keine „Apartheidmauern“, wie gern kolportiert wird, sondern Maßnahmen, die verhindern sollten, dass Dschihadisten gemütlich ins Land spazieren können, um ihr Werk zu tun.

Was viele Deutsche nicht verstehen wollen, ist, dass Israelis unter völlig anderen Bedingungen leben als sie selbst. Wer immerzu von Terror und Tod bedroht ist, muss sich verteidigen und kann sich ein Leben im Wolkenkuckucksheim schlichtweg nicht leisten.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Menschen wie Claudia Roth oder Katrin Göring-Eckardt, wenn sie Israelis wären, es in der israelischen Politik zu irgendetwas gebracht hätten. Solche Politiker kann sich nur ein Land leisten, dem es zu gut geht oder das jeglichen Verstand verloren hat. Ob den Deutschen vielleicht dadurch ein Licht aufgeht, dass sie nun selbst mit dem Dschihad Bekanntschaft machen, ist äußerst zweifelhaft.

Wenn wir schon bei dem Unterschied zwischen Kritik und Verleumdung sind, lohnt es sich, ein weiteres Thema anzusprechen, das ein eigenes Kapitel verdient:

2.  Die alte neue jüdische Verschwörung: Vom Euphrat bis zum Nil

Der Autor Gerhard Wisnewski hat die Existenz einer ganz besonderen jüdischen Verschwörung behauptet.50 Abgewandelte Formen dieser Erzählung wurden auch von dem bereits genannten Ken Jebsen und anderen bemüht.51

Aber weil sie sie nicht „den“ Juden, sondern nur Israel angelastet haben, war das sozusagen politisch korrekt.

Die Geschichte geht, kurz gesagt, so: Israel wird von einer Schattenregierung aus radikalen mosaischen Sekten gelenkt, die die Errichtung des Großreiches Eretz Yisrael vom Euphrat bis zum Nil anstrebt. Die Kriege im Irak und Syrien wurden in Wahrheit von jüdischen Verschwörern angezettelt (ich vermute, bei den IS-Kämpfern handelt es sich demzufolge um verkleidete Juden; IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi heißt wahrscheinlich in Wahrheit Rabbi Abraham ben Baghdad), um diese Länder für die künftige israelische Machtübernahme gewissermaßen sturmreif zu schießen und möglichst viele Menschen von dem Land zu vertreiben, das anschließend von Juden in Besitz genommen werden kann.

Stutzig macht allerdings, dass der Autor Wisnewski nicht benennen kann, wer diese geheimen Sekten sein sollen, die die neue jüdische Großverschwörung angezettelt haben sollen. Es wäre ja nicht schlecht, wenn man zumindest einige Personen oder Organisationen mal beim Namen nennen könnte. Dann wüsste man immerhin, gegen wen man was unternehmen muss, um diesen Machenschaften Einhalt zu gebieten.

Der Glaube an die Verschwörung zur Errichtung von „Groß-Israel“ vom Euphrat bis zum Nil ist in Wahrheit schon ein paar Jahrzehnte alt – und die Fakten, die die Existenz dieses Komplotts beweisen sollen, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als … nun ja, seht selbst:

Der erste „Beleg“ für die Existenz dieser Verschwörung sind Verse aus dem Alten Testament. Laut Genesis 15, 18 – 21 begab es sich so: „An diesem Tag schloss der Herr mit Abram folgenden Bund: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum großen Strom Euphrat, (das Land) der Keniter, der Kenasiter, der Kadmoniter, der Hetiter, der Perisiter, der Rafaïter, der Amoriter, der Kanaaniter, der Girgaschiter, der Hiwiter und der Jebusiter.“

In Deuteronomium 11, 24 sagt Moses seinem Volk: „Jede Stelle, die euer Fuß berührt, soll euch gehören, von der Wüste an. Dazu soll der Libanon euer Gebiet sein, vom Strom, dem Eufrat, bis zum Meer im Westen.“

Die von Wisnewski und anderen als Eretz-Yisrael-Verschwörer ausgemachten radikalen Sekten glauben demnach daran, dass die Juden den Anspruch auf ein Großreich vom Nil bis zum Euphrat haben, weil all das den Juden bzw. ihrem Urvater Abraham von Gott gegeben worden sei. Das alles soll einem Groß-Israelischen Imperium einverleibt werden.

Das ist es auch, was in der arabischen Welt sowie im Iran gängiges Gedankengut ist. Das iranische Mullah-Regime sieht Israel als Zentrum des jüdisch-zionistischen Weltfeindes, der die Welt zu beherrschen und immer mehr von der islamischen Welt zu unterwerfen versucht. Ähnlich wie Hitler sich selbst in einer Verteidigungsposition gegen das „Weltjudentum“ wähnte, tut es Ayatollah Khameneis Regime.

Jetzt wollen wir das alles aber mal genauer wissen52:

Was die Worte aus Genesis 15,18 angeht, ist erstens mit dem Fluss Ägyptens höchstwahrscheinlich gar nicht der Nil gemeint. Zumindest gingen die bedeutendsten jüdischen Kommentatoren des Bibeltextes davon aus, dass der Wadi al-Arisch an der Nordküste des Sinai gemeint war.

Zweitens besagen die Regeln der Bibel-Exegese, dass spezifische Vorschriften Vorrang vor allgemein formulierten Vorschriften haben.

In Hesekiel 47, 13 – 20 wird das verheißene Land, das den Juden gegeben sein soll, sehr viel präziser beschrieben als in Genesis. Da wird es schon ziemlich deutlich eingegrenzt. Deshalb gingen jüdische Gelehrte schon seit Generationen davon aus, dass die älteren Ankündigungen aus Genesis nicht mehr gültig sind und diese präziseren gelten sollten.

Noch ein ganz entscheidender Punkt, den ich bislang nicht genannt habe. Wenn wir es ganz genau nehmen, hat Gott laut Altem Testament das Land nicht speziell den Juden zugesagt, sondern den Nachkommen des Urvaters Abraham insgesamt.

Nach der Überlieferung der abrahamitischen Religionen sind aber die Araber – durch Abrahams erstgeborenen Sohn Ismael, den Halbbruder Isaaks – genauso Nachkommen Abrahams und da heute unbestritten Araber am Euphrat und am Nil leben, kann man argumentieren, dass das, was Gott laut Genesis angekündigt haben soll, längst erfüllt sei.

Abgesehen davon, müssen wir fragen, welche Relevanz die Bibelzitate für die Politik der zionistischen Bewegung und des heute existierenden Israel haben.

Dass diese über 3.000 Jahre alten Texte existieren, beweist nicht, dass heute auf dieser Basis Politik gemacht wird.

Dazu muss vorab gesagt sein, dass „Groß-Israel“ eine irreführende Übersetzung von Eretz Yisrael ist, die ja offenbar gezielt Imperialismus und Aggression suggerieren soll. Der Haken dabei ist: Eretz Yisrael heißt auf Deutsch eigentlich nur so etwas wie „das Land Israel.“ Ganz neutral. Von einem Großreich ist da keine Rede. Vollständig sagt man auf Hebräisch auch Eretz Yisrael Haschlemah, was so viel heißt wie „das Kernland Israel.“

Bedeutende Vordenker der jüdischen Nationalbewegung, also des Zionismus, hatten tatsächlich eine Reihe von Möglichkeiten vor Augen, wo sich das jüdische Volk in Zukunft ansiedeln und ein eigenes Gemeinwesen aufbauen könnte. Männer wie Theodor Herzl und Isidor Bodenheimer fassten dabei auch Land in Syrien und in Mesopotamien ins Auge. Andere dachten auch an den Sinai, an Argentinien, an Ostafrika. Es bestand also keineswegs Einigkeit darüber, dass die Juden sich dort niederlassen sollten, wo das antike Israel existiert hatte.

Es sieht in der Rückschau so aus, als wäre aus der Tatsache, dass vor inzwischen über hundert Jahren eine ganze Reihe von möglichen Siedlungsgebieten für die Juden diskutiert wurde, die Erzählung vom Plan der Eroberung eines Großreiches gesponnen worden.

Tatsache ist, dass im frühen 20. Jahrhundert, zur Zeit des britischen Mandats für Palästina (1922-1948), nicht einmal die nationalistische Miliz Irgun, der der spätere israelische Premierminister Menachem Begin angehörte, unter Eretz Yisrael ein Großreich bis an den Euphrat verstand.

Für die Irgun war Eretz Yisrael alles, was heute Israel ist, dazu Gaza, das Westjordanland und das, was heute Jordanien ist. Lord Balfour, der im Namen der britischen Regierung der jüdischen Nationalbewegung im Jahr 1917 die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Aussicht gestellt hatte („Balfour-Deklaration“), hatte übrigens auch ein Land gemeint, das nach Osten deutlich über den Jordan hinaus reichen sollte. Das britische Mandatsgebiet Palästina umfasste ja ab 1922 auch alles, was die Irgun unter Eretz Yisrael verstand.

In den Zwanziger Jahren änderte das Empire seine Politik. 1923 wurde das Land östlich des Jordan abgetrennt und zum halb-autonomen Königreich Transjordanien (seit 1950 heißt es nur noch Jordanien) unter britischer Oberhoheit. Die Ansiedlung von Juden und die Errichtung einer Heimstätte für sie irgendwann in der Zukunft sollten fortan nur noch im Land westlich des Jordans erfolgen.

Das Mandat Palästina nach der Abtrennung von Transjordanien

Irgun wollte das Land westlich und des östlich des Jordan gern als Eretz Yisrael, aber auf der Linken und in der Mitte war man anderer Ansicht. Die zionistische Bewegung war ja nie ein monolithischer Block. Es gab unterschiedliche Strömungen mit unterschiedlichen Vorstellungen davon, welche Grenzen der neu zu errichtende jüdische Staat haben sollte und was für eine Art Ordnung darin errichtet worden sollte.

Eines aber hatten die führenden Persönlichkeiten der verschiedenen zionistischen Strömungen gemeinsam: sie hatten mit Religion wenig bis nichts am Hut. Sie standen für eine im Wesentlichen säkulare Nationalbewegung. Das galt für ihre linken wie auch ihre rechten Vertreter. Dementsprechend wurde die hebräische Bibel auch nie zu einem Dokument erhoben, aus dem der heutige Staat Israel oder seine Regierung ihre Legitimation ableitet. Die Bibel ist kein Gesetzbuch des modernen Staates Israel. (Ein wesentlicher Unterschied zu Ländern wie Saudi-Arabien und Iran, für die der Koran allerdings eine bis heute angewandte Rechtsquelle und Legitimation ist!)

Zur Zeit des britischen Mandats, als die Gelegenheit dazu da gewesen wäre, da der Vordere Orient unter Kontrolle der Westmächte war, hat weder die Irgun noch eine andere zionistische Organisation Anspruch auf Land bis zum Euphrat oder in anderer Richtung bis zum Nil erhoben. Wenn das aber auf der Basis des Alten Testaments der Plan gewesen sein soll, warum hat man die günstige Gelegenheit zu imperialer Expansion nicht ergriffen?

Nach der Logik unserer antisemitischen Freunde beherrschen die Juden doch sowieso alles, alle Regierungen, die der westlichen Länder allemal. Es hätte für sie doch ein Leichtes sein müssen, den Herrschenden in Paris und London ihren Willen aufzuzwingen.

Die Gründerväter Israels haben 1947 den Teilungsplan der UNO für Palästina akzeptiert und im Mai 1948 den Staat Israel ausgerufen. Die arabische Seite wollte keine Teilung, sondern die vollständige Entfernung der Juden aus dem Land. Daher wurde Israel nur Stunden nach seiner Gründung von den arabischen Nachbarn überfallen, konnte sich aber behaupten.

1967 kam Israel einem bevorstehenden Überfall der Ägypter zuvor. Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser, der mächtige Wortführer des panarabischen Nationalismus und geschworene Israelfeind, kündigte ganz offen die Zerstörung des jüdischen Staates an. Auch Ägyptens Verbündeter Syrien wetzte bereits die Messer. Sein Verteidigungsminister Hafiz al-Assad (der spätere Präsident und Vater des heutigen Präsidenten Baschar al-Assad) sagte, dass der Zeitpunkt gekommen sei, in eine „Vernichtungsschlacht“ einzutreten.

Israel griff die auf dem Sinai aufmarschierten Truppen in einem Präventivschlag an. So kam es zum Sechstagekrieg. Obwohl die israelische Regierung versuchte, den Nachbarn Jordanien da raus zu halten, entschied sich auch Amman für Krieg und griff an.

1967 eroberte Israel den Sinai, Gaza, das Westjordanland und einen strategisch wichtigen Teil der Golanhöhen von Syrien. Seitdem hat Israel rund 90 Prozent des damals eroberten Landes zurückgegeben (den Sinai an Ägypten) oder in die Selbstverwaltung entlassen (Gaza, die A- und B-Gebiete des Westjordanlandes) oder Angebote der Rückgabe von Land und des Friedens gemacht. (Golan an Syrien)

Frieden war zunächst allerdings überhaupt nicht zu machen, da die arabischen Staaten auf dem Gipfeltreffen von Khartum ihre berühmten drei Neins vereinbart hatten: Nein zur Anerkennung Israels, Nein zu Verhandlungen mit Israels, Nein zum Frieden mit Israel.

Nun stellt sich mir die Frage: wenn Israel vorhat, ein Großreich zu erobern, warum hat es all das schöne, 1967 eroberte Land wieder abgegeben? Wie dämlich kann man sein?!

Unter Druck aus dem Ausland? Ja, wie das denn? Wenn die Juden angeblich die ganze Welt in ihrem Sinne kontrollieren, dürfte kein Land – nicht einmal mächtige Länder wie die USA oder Großbritannien – in der Lage sein, Israel zu irgendetwas zu zwingen, oder? Merkt Ihr nicht, dass Ihr Euch langsam selbst widersprecht?

Ungeachtet dieser Tatsachen wird auf angebliche Zitate führender israelischer Politiker verwiesen, die das Streben nach „Groß-Israel“ belegen sollen.

Israels Verteidigungsminister Mosche Dajan, der Berühmte mit der Augenklappe, soll 1967 nach der Einnahme eines Teils der Golanhöhen zu seinen Soldaten gesagt haben: „Die vergangene Generation hat Israel in den Grenzen von 1948 etabliert, wir haben Israel in den Grenzen von 1967 etabliert und Ihr werdet Eretz Israel vom Nil bis an den Euphrat errichten.“

Eine Quelle für dieses vermeintliche Zitat ist allerdings Syriens verstorbener Diktator Hafiz al-Assad, der Vater und Vorgänger des heutigen Präsidenten Baschar al-Assad. Eine – gelinde gesagt – zweifelhafte Quelle. Syrien ist mit Israel seit dessen Gründung verfeindet und das Assad-Regime hat das Existenzrecht Israels nie anerkannt. Annäherungsversuche in den 1990er und 2000er Jahren sind gescheitert. Juden- und Israelhass, antisemitische Paranoia, sind in Syrien Alltag. Personen wie Bassam Tibi und Laila Mirzo bezeugen es. Syrien ist schon seit Assad seniors Zeiten ein aktiver Unterstützer von dschihadistischen Organisationen wie Hisbollah und Hamas, deren Ziel die Zerstörung Israels ist.

Insofern ist es gut vorstellbar, dass der alte Assad hier nur das zum Ausdruck gebracht hat, was er von den bösen, raffgierigen Juden ohnehin schon zu wissen glaubte. Antisemitische Paranoia hat im Laufe der Zeit viele Fake-Zitate hervorgebracht, die führenden jüdischen Repräsentanten in den Mund gelegt wurden.

Ich bezweifle die Geschichte auch deshalb, weil sie nicht zu Mosche Dajans sonstigem Verhalten passt. Nach der Eroberung Ost-Jerusalems und des Tempelberges, der heiligsten Stätte des Judentums, im Sechstagekrieg zeigte Dajan alles andere als imperialen Ehrgeiz. Als israelische Soldaten, euphorisch über ihren Sieg, auf dem Tempelberg ihre Fahne hissten, befahl Dajan, die Fahne unverzüglich zu entfernen. „Wollen Sie den Nahen Osten in Brand setzen!?“, herrschte er seine Untergebenen an. Kurz nach dem Krieg traf Dajan mit Vertretern der islamischen Waqf, der für die Verwaltung des Berges zuständigen Einrichtung, zusammen und konzedierte die Rückgabe der Kontrolle über den Berg.53

Verhält sich so jemand, der ein jüdisches Großreich erobern will? Verzichtet er einfach auf die Kontrolle über die wichtigste Stätte des Judentums überhaupt?

Von Israels Premierminister Menachem Begin wird behauptet, dass er ebenfalls die Eroberung eines israelischen Großreiches angekündigt hätte. Auch hier sind die Quellen dubios.

Abgesehen davon: diese vermeintlichen „Zitate“ hin oder her, der angeblich existierende Eroberungsplan ist ja eben nicht umgesetzt worden. Im Gegenteil, es wurde Land aufgegeben und letztendlich sogar vom rechtskonservativen Lager in Israel das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat zugestanden, der neben dem jüdischen Staat existieren soll.

Keine heutige politische Partei in Israel erhebt heute den Anspruch darauf, Eretz Yisrael zu beherrschen so wie es seinerzeit die Irgun verstanden hat. Selbst die politischen Hardliner bestehen heutzutage nur darauf, nichts von dem, was heute unter israelischer Kontrolle ist, herauszugeben. (Zumal man schmerzlich erlebt hat, dass die Formel „Land für Frieden“ nicht zwangsläufig aufgeht. Der Abzug aus Gaza im Jahr 2005 wurde den Israelis nicht gedankt. Stattdessen gab’s dafür und gibt es bis heute Hamas-Terror.)

Was nun die radikalen mosaischen Sekten angeht, die Israel angeblich aus dem Schatten heraus regieren und die die Errichtung von Groß-Israel anstreben, hat weder Gerhard Wisnewski noch ein anderer, der in diese Richtung argumentiert, bewiesen, dass es diese Kreise gibt und wer genau dazu gehört.

Einen kleinen wahren Kern hat diese Propaganda insofern, als es unter der heutigen nationalkonservativen Regierung von Benjamin Netanjahu eine Nähe der Regierung zu konservativen Geistlichen gibt, die auch innerhalb Israels für heftige Kontroversen sorgt. Manche sehen die Trennung von Religion und Staat in Gefahr und üben dafür Kritik. Denn nur ca. zehn Prozent der jüdischen Israelis definieren sich laut Meinungsumfragen als orthodox. Sie wünschen nicht, dass die Religion zu viel Einfluss bekommt.

Man mag die Kritik an Netanjahus Regierung und ihren Beziehungen zur Geistlichkeit für berechtigt halten oder nicht. Keiner hat irgendeinen Beweis dafür vorgelegt, dass führende Geistliche Israels auf die Eroberung eines Großreiches hinarbeiten oder eine obskure mosaische Sekte bilden.

Allerdings gibt es unter den Geistlichen Israels durchaus Extremisten mit absolut verqueren Positionen. Dazu zählt die kleine Sekte Neturei Karta, die aber ganz bestimmt nicht die Eroberung von Groß-Israel oder auch nur eine Zusammenarbeit mit der Regierung Netanjahu anstrebt. Neturei Karta vertritt nämlich den Standpunkt, dass das von Menschen geschaffene Israel überhaupt nicht existieren darf. Ein jüdischer Staat darf nur vom Messias persönlich errichtet werden und das menschengemachte Israel steht nun der Ankunft des Messias im Weg, deshalb muss es verschwinden.

Nein, für den nationalkonservativen Netanjahu, der die Existenz Israels energisch verteidigt, sind das ganz gewiss keine Partner …

Die Propaganda vom geplanten Großreich Israel wurde von arabischen Herrschern ständig wiederholt. Schon Abd al-Aziz ibn Saud, der Gründer Saudi-Arabiens, glaubte daran, ebenso Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser, ebenso Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi. Aber all diese Personen sind keine glaubhaften Kronzeugen.

Arabische Herrscher behaupteten mehrfach, dass über dem Eingang des israelischen Parlamentsgebäudes die Inschrift „Das Land Israel vom Euphrat bis zum Nil“ eingraviert sei. Die Geschichte hat nur einen kleinen, einen ganz kleinen Haken: diese Inschrift existiert nicht.

Auch der verstorbene Palästinenserführer Jassir Arafat hat etliche Male behauptet, dass die Eroberung von Groß-Israel geplant sei. Seine „Beweis“ dafür sah so aus: eine israelische Münze, die angeblich das geplante Großreich abbildet.

Allerdings handelt es sich dabei bloß um eine moderne Nachbildung einer Münze aus der Zeit des Matthatias Antigonos, das letzten Königs aus der Hasmonäer-Dynastie, der im Jahr 37 v. Chr. von den Römern bezwungen und hingerichtet wurde.

Man muss schon eine gewisse Portion Phantasie aufbringen, um auf dieser Münze ein Imperium vom Nil bis zum Euphrat zu erkennen oder einen Beweis für die Existenz eines solchen Eroberungsplans.

Das antisemitische Mullah-Regime des Iran glaubt, wie gesagt, ebenfalls an den groß angelegten Eroberungsplan des jüdisch-zionistischen Feindes. Die Auslöschung Israels ist folglich eines der höchsten Ziele der iranischen Führung.

Die Theorie von „Groß-Israel“ wird von vielen Leuten in der islamischen Welt geglaubt. Nur: was soll das beweisen? Vor achtzig Jahren haben sehr viele Deutsche die „Protokolle der Weisen von Zion“ auch für echt gehalten und bereitwillig alles geglaubt, was der Führer verkündet hat!

Man weiß seit Jahrzehnten, dass die „Protokolle“ eine Fälschung sind. Wir wissen auch, dass Adolf Hitler ein von mörderischem Hass erfüllter antisemitischer Paranoiker war, der seine Wahnvorstellungen ja dann auch auf die brutalstmögliche Weise ausgelebt hat.

Und bis mir jemand das Gegenteil beweist – ich betone: beweist – gehe ich davon aus, dass die Vom-Nil-bis-zum-Euphrat-Propaganda auch in die Kategorie „antisemitische Paranoia“ gehört.

Die „Protokolle der Weisen von Zion“ wie auch Hitlers „Mein Kampf“ verkaufen sich im islamischen Orient gut. Es wäre also konsequent, wenn sich Menschen, die von diesem Gedankengut beeinflusst sind, auch eine neue große Verschwörung der diabolischen Juden zusammen phantasieren.

Amerikanisches Exemplar der „Protokolle der Weisen von Zion“

Was Gerhard Wisnewski angeht: es wäre nicht das erste Mal, dass er Verschwörungstheorien über machtgeile, blutrünstige Juden verbreitet.

Zur Zeit der Zweiten Intifada, die von Jassir Arafat über Wochen geplant worden und für die Arik Scharons Tempelberg-Besuch am 28.9.2000 nur ein willkommener Vorwand war, wie wir heute wissen, schrieb Wisnewski einige sehr aufschlussreiche Gedanken nieder, die Ivo Bozic wie folgt zusammenfasste:

„»Die angeblichen Attentate der Palästinenser betreffen fast ausschließlich die Zivilbevölkerung: in Cafés, in Einkaufszentren, auf der Straße. Kann das wirklich im wohlverstandenen militärischen und psychologischen Interesse der Palästinenser liegen, oder muss das nicht vollkommen kontraproduktiv sein, weil jede solche Bombe die Bevölkerung ein Stück mehr in die Arme von Sharon treibt? (…) Und woher kommt diese plötzliche Inflation von Selbstmordattentätern? Oder ist alles ganz anders? Heuert irgendjemand einen ahnungslosen Palästinenser an, damit er für zehn Schekel, oder wie diese Währung auch immer heißt, eine Plastiktüte oder ein Paket transportiert, wobei dieser jemand dann im geeigneten Moment auf den Knopf seiner Fernsteuerung drückt?« (…)

 Schließlich droht im Nahen Osten nach Ansicht Wisnewskis ein neuer Holocaust. Die »Arabische Welt« stehe »vor dem Genozid«. Die Strategie Israels und der USA sei es, den Konflikt eskalieren zu lassen und die arabische Welt zu provozieren.

Der »Diktator Sharon« wolle nämlich eigentlich »die arabische Welt vernichten, und die Leiche Arafats als Sahnehäubchen obendrauf haben«. Durch die ständige »Demütigung Arafats« fordere Scharon »die arabische Welt so lange heraus, bis sie auf die eine oder andere Weise angreift, um Arafat zu Hilfe zu eilen. Dann werden die Israelis und Amerikaner zweifellos einen nie dagewesenen Völkermord im Nahen Osten und in der Arabischen Welt begehen.«“ 54

Tja … es erübrigt sich eigentlich jeglicher Kommentar. Blöder Weise dürfte es in Deutschland eine Menge Leute geben, die diesen Wahn gern zu glauben bereit sind, sind sie doch fest davon überzeugt, dass Israel das Dritte Reich 2.0., ein Kriegstreiber und die Wurzel vieler großer Übel, vielleicht sogar aller Übel sei. Und da den Juden das Schlimmste ohne Weiteres zuzutrauen ist, mag es ihnen auch plausibel erscheinen, dass eine israelische Regierung so etwas krankhaft Diabolisches tut wie fremde Attentäter für Angriffe auf das eigene Volk zu bezahlen …

Ähnliche, schwer in Richtung „Protokolle der Weisen von Zion“ gehende Schriften sind auch von einem Wolfgang Eggert55 und einem Jeff Halper56 bekannt.

3. Conclusio

Was ich bei Antisemiten festgestellt habe, ist etwas, was mich frustriert und ohnmächtig zurücklässt: es ist im Grunde sinnlos, zu diskutieren. Man kann ihnen hunderte von Fakten mit Quellenverweisen benennen, es bringt nichts.

Der Theologe Ekkehard Stegemann hatte leider Recht, als er feststellte, dass Antisemitismus sich seine eigene Wirklichkeit schafft.57

Er funktioniert wie ein in sich geschlossenes Wahnsystem und innerhalb dieses Systems wird alles, was nicht dem eigenen Weltbild entspricht, als Lüge, als Propaganda, als Manipulation, als Fälschung eingeordnet.

So habe ich es auch erlebt, als ich kürzlich einen antisemitischen Gesprächspartner davon zu überzeugen versuchte, dass seine Vorurteile über Juden und Israel nicht zutreffen.

Es brachte nichts. Wenn ich etwa darauf verwies, dass führende Palästinenser selbst zugegeben haben, dass die Zweite Intifada von langer Hand geplant und nicht durch Scharons Tempelberg-Visite „provoziert“ worden war, wurde es sofort als zu Gunsten Israels manipuliert abgetan. (Warum Leute, die Ariel Scharon garantiert zutiefst gehasst haben, Geschichten „erfinden“ sollten, die ihn besser, aber sie selbst schlecht aussehen lassen, vermochte mir die betreffende Person allerdings nicht zu erklären.)

Und die Medien sind sowieso alle jüdisch und alle pro-israelisch usw. Es war wirklich wie beim NPD-Ortsverein. Ich vermute, in den Augen meines Gesprächspartners bin ich sowieso entweder von jüdischer Propaganda hirngewaschen oder selbst ein Agent des „internationalen Judentums.“

Und dass man mit Fakten gegen ein solches Wahnsystem nicht ankommt, macht mir regelrecht Angst, zumal diese Art Wahnsystem jetzt in Massen aus der islamischen Welt hergeholt wird.

Und das heutige Deutschland, das für Antisemitismus in weiten Teilen immerhin Verständnis aufbringt – vor allem wegen der Politik des bösen, bösen Israel (siehe oben) – , wird vielfach stillschweigend goutieren, was die Juden hierzulande ab jetzt zu erwarten haben. Eine Symbiose des fortlebenden, einheimischen Ressentiments und des importierten Hasses …

Solidarität mit Dschihad und Judenhass in Berlin (Fundstelle: Lizas Welt, 24.3.2007)

Aber wir braven Deutschen tun doch nur Gutes.

Wir sind ja edel und vortrefflich gesinnt und keineswegs in irgendeiner Weise von antisemitischem Denken beeinflusst, nicht die Bohne! Wir sind doch für den Frieden und immer auf der Seite der (vermeintlich) Schwächeren. Unsere linke Gesinnung schließt doch jedwedes antijüdisches Ressentiment sofort aus, ist doch ganz klar! Gerhard Zwerenz hat geschrieben „Linker Antisemitismus ist unmöglich“, also muss es ja wohl stimmen!58

Der bereits zitierte Eike Geisel, dieser spitzfindige Querdenker, hat den Antisemitismus der guten Seelen so gut auf den Punkt gebracht wie kein anderer:

„Im Namen des Friedens gegen Israel zu sein, ist etwas Neues. Denn dieses Ressentiment hat alle praktischen und politischen Beweggründe abgestreift. […] Dieser neue Antisemitismus erwächst weder aus niedrigen Instinkten noch ist er Ausfluss ehrbarer politischer Absichten. Er ist die Moralität von Debilen. Das antijüdische Ressentiment entspringt den reinsten menschlichen Bedürfnissen, es kommt aus der Friedenssehnsucht. Es ist daher absolut unschuldig, es ist so universell wie moralisch. Dieser moralische Antisemitismus beschließt die deutsche Wiedergutwerdung insofern, als sich durch ihn die Vollendung der Inhumanität ankündigt: die Banalität des Guten.“59

Die „Banalität des Guten“ ist selbstverständlich eine Anspielung auf die „Banalität des Bösen“, den Untertitel von Hannah Arendts Buch über den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem.60

Schade, dass Geisel schon knapp über zwanzig Jahre tot ist. Über das Deutschland Angela Merkels hätte er vermutlich sehr, sehr viel zu sagen …

Nachtrag:

Am Sonntag, den 22. Juli, suchte ich in meiner Wohngegend in Berlin eine Kneipe auf, um ein Bier zu trinken. Man hört ja bei solch einer Gelegenheit (leider) mit, worum sich politische Diskussionen der anderen drehen.

Demzufolge sind es vor allem zwei Dinge, die zur Zeit besonders bedrohlich für Deutschland sind: Erstens der böse Donald Trump, dessen ehemaliger Berater Steve Bannon „die Rechten“ in Europa noch vorne zu bringen gedenke. Zweitens der Umstand, dass wir in diesem Land zu viele „jüdische Denkmäler“ hätten.

Danach war ich schon bedient. Eigentlich wollte ich in aller Ruhe zwei, drei Bier trinken, aber ich verließ die Kneipe, nachdem ich eins ausgetrunken und bezahlt hatte.

Dazu muss ich sagen: ich wohne z. Zt. keineswegs in einer von Linken oder Grünen dominierten Gegend. Ich würde sogar sagen, dass das hier eher ein bürgerlich-konservatives Milieu ist, aber trotzdem sieht man keineswegs die von Angela Merkel und Konsorten betriebene Zerstörung unseres Landes und seiner Kultur als vorrangige Bedrohung, sondern den bösen, bösen Onkel Donald und natürlich die bösen Nazis, die nicht mit Merkels Politik einverstanden sind. Ich weiß noch, wie ich mich vor Monaten in derselben Kneipe als Wähler der AfD geoutet habe. Au weia, da kam Leben in die Bude! (Wobei ich zugeben muss, dass ich mich auch daneben benommen habe, weil ich vom undifferenzierten Gerede der anderen so genervt und deshalb ziemlich unleidlich war.)

Ich wohne aber auch nicht in einer Hochburg von Antisemiten oder Neonazis. Das ist keine Gegend, in der man erwarten würde, dass den Anwohnern kein dringenderes Problem als „jüdische Denkmäler“ in diesem Land einfällt. Und der, der das gesagt hat, ist definitiv kein Nazi, kein Wähler der NPD oder einer ähnlich gearteten Gruppierung. Er ist, so mein Eindruck, ein Deutscher mit edler Gesinnung, wie es sich in Merkelland gehört. (Und er hat das auch – Kneipe hin oder her – nicht im Suff gesagt. Er war nüchtern genug, um noch ganz bei sich zu sein.)

Nun ja …

Würde ich wirklich in einer links-grünen oder in einer rechtsextremen Hochburg wohnen (Gott sei Dank ist weder das eine noch das andere der Fall, sonst wäre ich vielleicht längst in der Klapse), könnte ich das alles noch als Meinungen von spinnerten Randgruppen abtun. Aber was ich da hörte, kommt aus der Mitte der Gesellschaft, aus ganz normalen, gemeinhin als „gutbürgerlich“ bezeichneten Kreisen …

Dieser Kneipenbesuch hat mich einmal mehr daran zweifeln lassen, dass dieses Land jemals geistig gesunden wird.

Ich weiß natürlich, dass das, was ich bei einem Kneipenbesuch gehört habe, nicht repräsentativ, nicht wissenschaftlich, nicht hieb- und stichfest ist. Aber leider deckt es sich ja mit dem, was diverse Studien und das Wahlverhalten der Deutschen bzw. vieler Deutscher hergeben! Sonst hätte mich das auch nicht so getroffen. Sonst hätte ich einfach gesagt: „Schwamm drüber!“

Quellen:

  1. taz, 18.7.2018: „Viermal mehr Judenhass als 2007“ von Frederik Schindler https://www.taz.de/!5518218/
  2. Focus Online, 28.1.2015: „70 Jahre nach Auschwitz: Antisemitismus bleibt in Deutschland weit verbreitet“ https://www.focus.de/politik/deutschland/erschreckende-studie-veroeffentlicht-antisemitismus-ist-in-deutschland-weit-verbreitet_id_4434918.html
  3. The Tower Magazine, Issue 39, June 2016: „There Was a Jewish Nakba, and It Was Even Bigger than the Palestinian One“ by Edy Cohen http://www.thetower.org/article/there-was-a-jewish-nakba-and-it-was-even-bigger-than-the-palestinian-one/
  4. Basler Zeitung, 13.3.2017: „Die Rückkehr des Judenhasses“ von Bassam Tibi https://bazonline.ch/ausland/standard/die-rueckkehr-des-judenhasses/story/17648613
  5. ebd.
  6. Jüdische Rundschau, 13.12.2016: „Im 21. Jahrhundert wurden alle antisemitischen Morde in Europa von Moslems begangen“ von Ulrich Jakov Becker http://juedischerundschau.de/im-21-jahrhundert-wurden-alle-antisemitischen-morde-in-europa-durch-moslems-begangen-135910655/
  7. Handelsblatt Global, 29.6.2018: „JFK School latest site of anti-Semitic bullying in Berlin“ by Andrew Bulkeley https://global.handelsblatt.com/politics/jfk-school-anti-semitic-bullying-berlin-940344
  8. Cicero Online, 24.4.2018: „Empathie gibt es nur für tote Juden“ von Alex Feuerherdt https://www.cicero.de/kultur/antisemitismus-in-deutschland-empathie-gibt-es-nur-fuer-tote-juden

The Jerusalem Post, 6.5.2017: „Study: 40% of Germans Hold Modern Antisemitic Views“ by Benjamin Weinthal https://www.jpost.com/Diaspora/Study-40-percent-of-Germans-hold-modern-antisemitic-views-489919

  1. Der Tagesspiegel, 27.3.2017: „Wie kann ein Anschlag auf eine Synagoge nicht judenfeindlich sein?“ von Abraham Cooper und Yitzchok Adlerstein https://www.tagesspiegel.de/politik/antisemitismus-in-deutschland-wie-kann-ein-anschlag-auf-eine-synagoge-nicht-judenfeindlich-sein/19572812.html
  2. Gatestone Institute, 18.4.2016: „False Moral Equivalence as a Tool to Demonize Israel“ by Manfred Gerstenfeld and Jamie Berk https://www.gatestoneinstitute.org/7813/israel-moral-equivalence
  3. Lizas Welt, 19.7.2006: „Neighborhood Bullies“ https://lizaswelt.net/2006/07/19/neighborhood-bullies/
  4. Eike Geisel: „Der hilflose Antisemitismus“ (Konkret 01 / 1993) http://www.trend.infopartisan.net/trd0302/t100302.html
  5. Der Tagesspiegel, 27.1.2015: „Viele Deutsche wollen Schlussstrich unter NS-Vergangenheit“ von Christian Böhme https://www.tagesspiegel.de/politik/umfrage-zum-israel-bild-viele-deutsche-wollen-schlussstrich-unter-ns-vergangenheit/11284258.html
  6. Die Achse des Guten, 11.3.2012: „Wellness-Oase für Vergangenheitsbewältigung“ von Michael Miersch https://www.achgut.com/artikel/wellness_oase_fuer_vergangenheitsbewaeltigung
  7. n-tv, 10.1.2015: „Angst vor tödlichem Antisemitismus: Der Auszug der Juden aus Frankreich“ https://www.n-tv.de/politik/Der-Auszug-der-Juden-aus-Frankreich-article14296331.html

Gatestone Institute, 16.2.2018: „Islamic Anti-Semitism in France: Toward Ethnic Cleansing“ by Guy Millière https://www.gatestoneinstitute.org/11903/france-islam-antisemitism

Gatestone Institute, 16.8.2016: „Sweden: The Silence of the Jews“ by Ingrid Carlqvist https://www.gatestoneinstitute.org/8695/sweden-jews-islamization

Jewish Telegraphic Agency, 10.7.2018: „Caught between jihadists and neo-Nazis, Swedish Jews fear for their future“ by Cnaan Liphshiz https://www.jta.org/2018/07/10/news-opinion/caught-between-jihadists-and-neo-nazis-swedish-jews-fear-for-their-future

Lizas Welt, 6.8.2007: „In memoriam Eike Geisel“ https://lizaswelt.net/2007/08/06/in-memoriam-eike-geisel/

  1. Eike Geisel: „Der hilflose Antisemitismus“, a.a.O.
  2. MENA Watch, 14.5.2018: „70 Jahre Israel: Happy birthday und L‘chaim!“ von Thomas Eppinger https://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/70-jahre-israel-happy-birthday-und-lchaim/
  3. Tapfer im Nirgendwo, 31.3.2018: „Der Goldene Orwell“ von Gerd Buurmann https://tapferimnirgendwo.com/2018/03/31/der-goldene-orwell/
  4. n-tv, 10.5.2003: „Rolf Behrens: Raketen gegen Steinewerfer“ https://www.n-tv.de/archiv/Raketen-gegen-Steinewerfer-article109450.html

Georg M. Hafner, Esther Schapira: „Israel ist an allem schuld: Warum der Judenstaat so gehasst wird“, Eichborn-Verlag, 3. Auflage 2015 https://www.amazon.de/Israel-ist-allem-schuld-Judenstaat/dp/3847905899

  1. Lizas Welt, 3.7.2013: „Das Arschgeweih des Feuilletons“ https://lizaswelt.net/2013/07/03/das-arschgeweih-des-feuilletons/

MENA Watch, 18.2.2016: „Weniger Münch wagen!“ von Alex Feuerherdthttps://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/weniger-muench-wagen/

  1. Lizas Welt, 5.1.2007: „Augstein um Augstein“ https://lizaswelt.net/2007/01/05/augstein-um-augstein/
  2. Siehe zum Einstieg meinen Artikel: „Die deutsche Nationalneurose am Beispiel von Jakob Augstein“, Conservo, 21.5.2018: https://conservo.wordpress.com/2018/05/21/adrian-f-lauber-ueber-und-die-deutsche-nationalneurose-am-beispiel-von-jakob-augstein/
  3. Welt Online, 23.7.2014: „Ein Großteil deutscher Medien berichtet voreingenommen“ von Ulrich Clauß https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article130459269/Ein-Grossteil-deutscher-Medien-berichtet-voreingenommen.html
  4. Zeit Online, 4.8.2014: „Die Medien kritisieren kaum ein Land so oft wie Israel“ von Philipp Woldin https://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-08/israel-medien-kritik
  5. Welt Online, 11.7.2016: „Der unerklärte Krieg der DDR gegen Israel“ von Richard Herzinger https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article156939574/Der-unerklaerte-Krieg-der-DDR-gegen-Israel.html

Bundeszentrale für politische Bildung, 28.11.2006: „Antisemitismus in der DDR“ von Dr. Thomas Haury http://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37957/antisemitismus-in-der-ddr?p=all

Bundeszentrale für politische Bildung, 28.3.2008: „Das Verhältnis der DDR zu Israel“ von Sebastian Voigt http://www.bpb.de/internationales/asien/israel/45014/ddr-israel?p=all

  1. National Review, 24.8.2006: „Russian footprints“ by Ion Mihai Pacepa https://www.nationalreview.com/2006/08/russian-footprints-ion-mihai-pacepa/

Clarion Project, 30.9.2012: „The Soviet-Jihad Connection: Interview with Pavel Stroilov“ by Meira Svirsky https://clarionproject.org/soviet-jihad-connection-interview-pavel-stroilov/

Gatestone Institute, 16.10.2016: „The Soviet-Palestinian Lie“ by Judith Bergman https://www.gatestoneinstitute.org/9090/soviet-union-palestinians

  1. Frankfurter Rundschau, 25.11.2006: „Israel zu kritisieren war nie verboten“ von Dr. Markus A. Weingardt http://www.fr.de/politik/spezials/doku—debatte/israel-zu-kritisieren-war-nie-verboten-a-1194201
  2. Welt Online, 9.6.2013: „Wie Willy Brandt den Nahost-Frieden verspielte“ von Hagai Tsoref, Michael Wolffsohn https://www.welt.de/politik/deutschland/article116955753/Wie-Willy-Brandt-den-Nahost-Frieden-verspielte.html
  3. The Guardian, 14.7.2000: „An enemy of the people“ by Jonathan Freedland https://www.theguardian.com/books/2000/jul/14/historybooks.comment
  4. Die Welt, 8.2.2001: „Finkelstein hat meine Arbeit ausgebeutet“ https://www.welt.de/print-welt/article432680/Finkelstein-hat-meine-Arbeit-ausgebeutet.html

Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America, 10.10.2005: „Norman Finkelstein’s Fraudulent Scholarship“ https://www.camera.org/article/norman-finkelstein-s-fraudulent-scholarship/

Committee für Accuracy in Middle East Reporting in America, 7.2.2007: „Norman Finkelstein, Benny Morris and Peace not Apartheidhttps://www.camera.org/article/norman-finkelstein-benny-morris-and-peace-not-apartheid/

Norman Finkelstein im Interview bei Future TV (Libanon), 20.1.2008: https://www.youtube.com/watch?v=eFet7xMqVmQ

Welt Online, 23.1.2017: „Max-Planck-Institut bietet Israel-Hasser ein Podium“ von Alan Posener https://www.welt.de/politik/deutschland/article161430779/Max-Planck-Institut-bietet-Israel-Hasser-ein-Podium.html

  1. Berliner Zeitung, 4.9.2000: „Ein Gespräch mit Raul Hilberg über Norman Finkelsteins Buch „The Holocaust Industry“: Rücksicht auf die Verbündeten“ von Eva Schweitzer https://www.berliner-zeitung.de/ein-gespraech-mit-raul-hilberg-ueber-norman-finkelsteins-buch–the-holocaust-industry–ruecksicht-auf-die-verbuendeten-16246148
  2. The Guardian, 14.7.2000, a.a.O.
  3. Die Welt, 8.2.2001, a.a.O.
  4. The Middle East Quarterly, Fall 2006, Vol. 13, No. 4: „How Important Is the Israel Lobby?“ by David Verbeeten https://www.meforum.org/articles/2006/how-important-is-the-israel-lobby

Sandbox, 12.4.2006: „Israel and the Iraq war“ by Martin Kramer http://martinkramer.org/sandbox/2006/04/israel-and-the-iraq-war/

The Boston Globe, 23.9.2007: „The big lie about the ‚Great Silencer’“ by Jeff Jacoby http://archive.boston.com/news/globe/editorial_opinion/oped/articles/2007/09/23/the_big_lie_about_the_great_silencer/

FrontPage Magazine, 12.4.2016: „The Pro-Israel Wing of the Pro-Israel Community“ by Daniel Greenfield https://www.frontpagemag.com/fpm/262427/pro-israel-wing-pro-israel-community-daniel-greenfield

  1. TruthRevoltOriginals: „Ben Shapiro: Why Jews Vote Leftist?“ (Veröffentlicht: 11.2.2015) https://www.youtube.com/watch?v=M5IqH7oJ9h4
  2. Mosaic Magazine, 8.5.2017: „Why Many American Jews Are Becoming Indifferent or Even Hostile to Israel“ by Daniel Gordis https://mosaicmagazine.com/essay/2017/05/why-many-american-jews-are-becoming-indifferent-or-even-hostile-to-israel/
  3. Dr. Korenz Blog, 14.3.2018: „Peinliches Lob — Offener Brief an die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Fr. Ch. Knobloch“ von Dr. Rafael Korenzecher https://drkorenz.com/2018/03/14/peinliches-lob-offener-brief-an-die-ehemalige-vorsitzende-des-zentralrats-der-juden-in-deutschland-fr-ch-knobloch/
  4. Welt Online, 26.7.2014: „Es gibt ja genug Gründe, uns Juden nicht zu mögen“ von Henryk M. Broder https://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article130594653/Es-gibt-ja-genug-Gruende-uns-Juden-nicht-zu-moegen.html
  5. Ken Jebsen (KenFM): „KenFM Zionistischer Rassismus Opfer Guenter Grass“ (Upload: 9.4.2012) https://archive.org/details/KenfmZionistischerRassismusOpferGuenterGrass
  6. der Freitag, 21.4.2014: „KenFM: „Rassistischer Zionismus“: Hasbara andersrum“ https://www.freitag.de/autoren/dame-von-welt/kenfm-rassistischer-zionismus
  7. Siehe meine Artikel-Serie „Israel – ein Nazi- und Apartheidsstaat?!“ und die beigefügten Quellenverweise.
  8. ebd.; siehe außerdem meinen Artikel „Was zum Teufel erlaubt sich der Jude?!“
  9. Ynet News, 23.6.2008: „Poll: 77% of Arabs say won’t replace Israel“ by Reuven Weiss https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3559045,00.html

Audiatur Online, 4.5.2017: „Aktuelle Studie: Arabische Israelis sehen das Land positiver als Juden“ von Stuart Winer http://www.audiatur-online.ch/2017/05/04/aktuelle-studie-arabische-israelis-sehen-das-land-positiver-als-juden/

  1. MENA Watch: „Die Camp-David-Verhandlungen vom Juli 2000“ (PDF) https://www.mena-watch.com/wp-content/uploads/2016/01/Floskel-1-Schmerzhafte-Kompromisse-Camp-David.pdf

MENA Watch: „Das Olmert-Angebot vom September 2008“ (PDF) https://www.mena-watch.com/wp-content/uploads/2016/09/Floskel-1-Schmerzhafte-Kompromisse-Olmert-Angebot-Ueberarbeitet.pdf

MENA Watch, 14.6.2017: „Wie die Palästinenser 2014 den Frieden mit Israel verhinderten“ von Florian Markl https://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/abbas-lehnte-vorschlaege-ab-kerry-machte-israel-verantwortlich/

MENA Watch, 7.4.2016: „Abbas weist Friedensangebot zurück – und die Medien interessiert es nicht …“ von Sean Durns http://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/abbas-weist-friedensangebot-zurueck-und-die-medien-interessiert-es-nicht/

The Tower, 27.11.2016: „Mahmoud Abbas: A Record of Rejectionism“ by David Gerstman http://www.thetower.org/4202-mahmoud-abbas-a-record-of-rejectionism/

  1. Palestinian Media Watch: http://palwatch.org/
  2. Audiatur Online, 5.4.2018: „Palästinensische Autonomiebehörde: Geld an Terroristen, jetzt ganz offen“ von Stefan Frank http://www.audiatur-online.ch/2018/04/05/palaestinensische-autonomiebehoerde-geld-an-terroristen-jetzt-ganz-offen/

Audiatur Online, 23.3.2018: „USA stoppen Zahlungen an Palästinensische Autonomiebehörde, solange diese Renten an Terroristen bezahlt“ von Stefan Frank http://www.audiatur-online.ch/2018/03/23/usa-stoppen-zahlungen-an-palaestinensische-autonomiebehoerde-solange-diese-renten-an-terroristen-bezahlt/

  1. Ynet News, 14.1.2018: „PA President Abbas: ‚Israel a colonial project, has nothing to do with Jews’“ by Elior Levy https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5070977,00.html
  2. Ynet News, 27.4.2009: „Abbas won’t recognize Israel as a Jewish state“ http://www.ynetnews.com/Ext/Comp/ArticleLayout/CdaArticlePrintPreview/1,2506,L-3707501,00.html

Ynet News, 15.10.2010: „Abbas: We won’t recognize Israel as Jewish state“ https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3969948,00.html

The Jerusalem Post, 26.2.2012: „Abbas Urges Arabs to Fight Judaization of J’lem“ https://www.jpost.com/Diplomacy-and-Politics/Abbas-urges-Arabs-to-fight-Judaization-of-Jlem

The Tower, 7.2.2013: „Palestinian President Abbas Lashes Out Against Jerusalem “Judaization”“ by Oren Kessler http://www.thetower.org/palestinian-authority-president-pashes-out-against-jerusalem-judaization/

The Times of Israel, 13.1.2014: „Arab ministers back Abbas in rejecting ‘Jewish’ Israel“ by Elhanan Miller http://www.timesofisrael.com/arab-ministers-back-abbas-in-rejecting-jewish-israel/

Jerusalem Center for Public Affairs, 19.3.2014: „Mahmoud Abbas Rejects Even Discussing the Rights of the Jewish People to a State“ by Pinhas Inbari http://jcpa.org/mahmoud-abbas-rejects-even-discussing-rights-jewish-people-state/

The Times of Israel, 29.11.2014: „Abbas: Palestinians will never recognize Israel as Jewish state“ http://www.timesofisrael.com/abbas-palestinians-will-never-recognize-israel-as-jewish-state/

Palestinian Media Watch: „Abbas: I will never recognize Israel as a Jewish State“ (Official Palestinian Authority TV, July 27, 2016) https://palwatch.org/main.aspx?fi=820&doc_id=19012

Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America, 19.1.2017: „New York Times Fabricates Palestinian Support for ‘Two States for Two Peoples’“ by Gilead Ini http://www.camera.org/index.asp?x_context=2&x_outlet=35&x_article=3552

Committee for Accuracy in Middle East Reporting in America, 1.3.2017: „No, New York Times, Abbas Does Not Accept the Jewish State“ by Gilead Ini http://www.camera.org/index.asp?x_context=2&x_outlet=35&x_article=3582

  1. Gerhard Wisnewski: „verheimlicht – vertuscht – vergessen 2016: Was 2015 nicht in der Zeitung stand“
  2. Ken Jebsen (KenFM): „Zionistischer Rassismus“, a.a.O.

Aron Sperber, 30.5.2014: „Der Joseph Goebbels von heute“ https://aron2201sperber.wordpress.com/2014/05/30/der-josef-gobbels-von-heute/

  1. The Middle East Quarterly, Winter 1994, Vol. 1, No. 1: „Imperial Israel: The Nile-to-Euphrates Calumny“ by Daniel Pipes https://www.meforum.org/articles/other/imperial-israel-the-nile-to-euphrates-calumny
  2. The Atlantic, 7.6.2017: „The Astonishing Israeli Concession of 1967“ by Yossi Klein Halevi https://www.theatlantic.com/international/archive/2017/06/israel-paratroopers-temple-mount-1967/529365/
  3. Jungle World 25 / 2002: „Zu wenig Phantasie für die Wirklichkeit“ von Ivo Bozic https://www.jungle.world/artikel/2002/25/zu-wenig-phantasie-fuer-die-wirklichkeit
  4. Telepolis, 13.10.2003: „AIDS, der Mossad und Idi Amin“ von Philipp Grätzel von Grätz https://www.heise.de/tp/features/AIDS-der-Mossad-und-Idi-Amin-3431519.html
  5. MENA Watch, 22.12.2017: „Weltuntergang durch Nanotechnologie: Die Israelkritik des Jeff Halper“ von Alex Feuerherdt https://www.mena-watch.com/mena-analysen-beitraege/jeff-halper-israel-die-vhs-und-der-weltuntergang/
  6. Audiatur Online, 29.6.2017: „Theologe Ekkehard W. Stegemann: «Antisemitismus schafft sich seine eigene Wirklichkeit»“ http://www.audiatur-online.ch/2017/06/29/theologe-ekkehard-w-stegemann-antisemitismus-schafft-sich-seine-eigene-wirklichkeit/
  7. Die Zeit, Nr. 16 / 1976: „Linker Antisemitismus ist unmöglich“ von Gerhard Zwerenz https://www.zeit.de/1976/16/linker-antisemitismus-ist-unmoeglich

Tapfer im Nirgendwo, 25.8.2016: „Linker Antisemitismus – Eine Geschichte der Verharmlosung“ von Gerd Buurmann https://tapferimnirgendwo.com/2016/08/25/linker-judenhass-eine-geschichte-der-verharmlosung/

  1. Lizas Welt, 5.6.2010: „Die Banalität des Guten“ https://lizaswelt.net/2010/06/05/die-banalitat-des-guten/
  2. PhilosophieKanal: „Hannah Arendt im Gespräch mit Joachim Fest (1964)“ https://www.youtube.com/watch?v=jF_UvHhbZIA
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*) Der bekannte Blogger Adrian F. Lauber ist seit November 2017 regelmäßig Autor auf conservo.
www.conservo.wordpress.com   12.08.2018

 

 

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